Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
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41 Transscendenz steht, wie Gott zur Welt74). Von dieser ganzen Auffassung findet sich nichts^im sechsten Abschnitt des Kitab al־Amanat, gerade an der Stelle, wo man eine eingehende Erörterung der Frage, wie man sich die Verbindung zwischen Seele und Körper zu denken habe, in welcher Weise sie auf einander wirken und wie die Erstere dem Letztem innewohn^ hätte erwarten sollen. Allzu befremdlich wird uns dieThatsache nicht erscheinen, wenn wir bedenken, dass diese ganze Auffassung, so weit sie die Seele betrifft, auch im Commentar zum Jezirah-Buche nur indirect gegeben ist, denn es handelt sich für Saadia nicht sowohl darum, ein Problem auf dem Gebiete der Psychologie zu lösen, als vielmehr um die Aufgabe, an dem Beispiele der Seele das Verhältniss Gottes zur Welt zu erklären. Davon abgesehen lässt sich im Allgemeinen nicht leugnen, dass wir Saadia im Jezirah-Commentar von einer ganz anderen Seite kennen lernen als in seinem philosophischen Hauptwerke, und uns dort eine ganz andere Anschauungsweise entgegentritt als hier. Diese Verschiedenheit wird vielleicht einfach darauf zurückzuführen sein, dass Saadia im Jezirah-Commentar gar nicht beabsichtigt, uns seine eigenen Ansichten zu geben als vielmehr diejenigen des Buches Jezirah objectiv zu erklären, während er uns im Kitab al-Amanat sein eigenes Gedankensystem bietet. Weniger einleuchtend erscheint uns die Annahme, dass Saadia in der Zeit, die zwischen der Abfassung beider Schriften liegt, seine philosophischen Kenntnisse erweitert und seinen Standpunkt geändert haben sollte75). Welches ist nun der Zweck der Vereinigung von Seele und Körper? Wie lässt es sich erklären, dass Gott die erhabene 74) Die Parallele zwischen Gott und der Seele in ihrem Verhältniss zur Welt, beziehungsweise zum Körper findet sich auch Berachot 10 a, doch folgt Saadia hier offenbar neuplatonischen Quellen, wie schon das von den Neuplatonikern häufig gebrauchte Beispiel vom Licht beweist, vergl. Plotin, Ennead. VI. 5, 6 und Gabirol Mekor Chajim I, 3. Im Uebrigen wird bereits von Diogenes dem Babylonier der Ausspruch mitgetheilt, Gott umfasse die Welt, wie die Seele den Körper (Philodemus, de pietate, ed. Gomperz p. 82), und eine ähnliche Aeusserung findet sich bei Seneca, ep. 65, 24 angeführt von Stein, die Psychologie der Stoa I. S. 208. Vergl. auch Al-Gazzali, Tahafut, S. 74, der alle die Schwierigkeiten, die sich nach der Ansicht der Philosophen über das Verhältniss der Seele zum Körper ergeben, namentlich wie man sich die Seele als etwas Untheilbares denken könne, das einerseits im Körper ist, andererseits ausserhalb desselben, zusammenfasst in den Worten: aJyJl 75) Vergl. Guttmann a. a. O. S. 26 und 49 und Lambert in seiner Ausgabe des Jezirah-Commentars, Einleitung, VII.