Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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40 Tiefer eindringend und auf den Kernpunkt der Frage eingehend sind die Aeusserungen Saadias über das Verhältniss der Seele zum Körper im Commentar zum Jezirah-Buche (S. 70 ff.). Dort erläutert Saadia das Verhältniss Gottes zur Welt an dem Beispiel der Seele, und indem er den Parallelismus zwischen Gott und Welt auf der einen und Seele und Körper auf der anderen Seite im Einzelnen durchführt, erfahren wir, dass die Seele in gleicher Weise dem Körper gegenwärtig ist und zugleich über ihn hinausragt, wie dies bei Gott der Fall ist in Bezug auf die Welt. Gott wird (Daniel 12,7) das Leben der Welt genannt, weil er, ebenso wie die Seele jeden Theil und das Ganze des Organismus, die Welt in allen ihren Theilen und als Ganzes erfüllt. Ein ähnliches Verhältniss wird ausgedrückt, wenn Gott die Intelligenz, die Vernunft der Welt genannt wird. Denn wie der Körper der lebenden Wesen und besonders des Menschen von feinerer Mischung als alle anderen Körper und dadurch Substrat für die Seele ist, und diese wiederum Substrat für die Vernunft wird, ebenso breitet sich der Wille Gottes in der Luft aus, und Gott regiert vermittels des Willens die Welt in gleicher Weise, wie die Vernunft die Seele lenkt und leitet. Wie ferner die Vernunft nicht getheilt wird durch die Theilung des Körpers und nicht untergeht mit dem Untergang desselben, wie sie erhabener ist als die Seele, obgleich in derselben befindlich, ebenso wird Gott nicht getheilt durch die Theilbarkeit der Welt, hört er nicht auf mit dem Aufhören des Geschaffenen und ist erhabener als irgend etwas in der Welt, obgleich er in allen Dingen gegenwärtig ist. Wie schliesslich die Vernunft keinen Schaden nimmt durch die Unvollkommenheiten des Körpers und von den Unreinheiten desselben unberührt bleibt, so verhält sich Gott zur Welt. Man könnte für letztem Punkt, bemerkt Saadia, auch das Sonnenlicht als Vergleich anführen, insofern auch dieses von der Unreinheit der Körper, auf die es fällt, unberührt bleibt, jedoch eignet es sich als Analogie aus dem Grunde nicht, weil es nicht Alles durchdringt und nicht in allen Dingen gegenwärtig ist. Sehen wir ab von den einzelnen Punkten, die von Saadia zur Vergleichung herangezogen werden, so ergiebt sich aus den obigen Ausführungen, dass die Seele zum Körper in demselben Verhältniss der Immanenz und Bethätigung. Wenn es die Seele ist, meint Saadia, welche den Sinneswerkzeugen die Fähigkeit der Empfindung verleiht, wie sollte sie ihre Wesenheit erst von ihnen empfangen und ein Produkt derselben sein? In dem Passus והוא שהיא היא הנותנת לכולם החוש ist nach dem Original לכלים anstatt לכולם ZU lesen, vergl. Kaufmann, die Sinne, S. 67 A. 54.