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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 45

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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IRI
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und Führung der Seele anvertraut, der ihr gleichsam als Werkzeug dient, und auf dessen Mitwirkung sie angewiesen ist, wie alles Geschaffene eines Organs bedarf, um nach aussen hin wirksam zu sein70). Doch ist ihr Verhältniss zum Körper nicht in allen Funktionen ein gleiches, und wenn wir ihre drei Grundvermögen in Betracht ziehen, so zeigt es sich, dass dasselbe zum Theil ein engeres, zum Theil ein loseres ist. Während der Muth und die Begierde Erscheinungen ihrer Verleiblichung sind und ihr nur auf Grund ihrer Verbindung mit dem Körper71) zukommen, eignet ihr das höchste Vermögen auch getrennt vom Körper, denn sie ist erkennend durch sich selbst, durch ihre Wesenheit72). Dies Letztere ergiebt sich für Saadia zunächst aus dem allgemeinen Gesichtspunkte, dass die Erkenntniss nicht in der Natur und in dem Wesen des Körpers zu liegen scheint. Ferner aber lässt sich dies im Besonderen dadurch nachweisen, dass es Erkenntnisse giebt, die nicht durch den Körper vermittelt werden können. Dahin gehört die Thatsache, dass es zuweilen dem Blinden im Traum erscheint, als wäre er sehend, und da diese Vorstellung der Seele nicht durch die Sinne zugeführt werden kann, so muss sie durchaus aus dem Wesen der Seele selber stammen'3). ממנה ובה תתנהג .... ובן בארבע יסודות אני רואים המים שהם יותר דקים מן העפר והם יותר חזקים ממנו.... והרוח יותר דק מן המים והוא הזק מהם .... והאש יותר חזק מן הבל. In ähnlicher Weise wird in der Theologie, S. 33 (Plotin, Ennead. IV, 7, 9) nachgewiesen, dass die Kraft etwas Immaterielles sei, da wir sehen, dass grosse Massen oft mit geringer, kleine mit grosser Kraft ausgestattet sind. 70) s. 98: יאתר בן התבאר ל־ שהיא לא הפעל אלא בגוף בי פעל בל נברא צר־ך אל בלי מהבליב. Als Werkzeug der Seele wird der Körper sehr häufig bezeichnet, so dass wir uns mit dem Hinweis auf Anthropologie (ed. Dieterici) S. 6 begnügen. 71) Dass die Begierde und der Muth nur durch die Verbindung der Seele mit dem Körper hervortreten, will Saadia offenbar mit den Worten andeuten: ובאשר תתחבר לגוף יראו לה ג, כהות (das.), was der Darstellung Plato’s im Timaeus entspricht, wonach der sterbliche Theil erst mit dem Eintritt in den Körper sich dem Unsterblichen ansetzt, während im Phaedrus die Begierde und der Muth der Seele schon im Präexistenzzustande beigefegt werden, vergl. Zeller (4) II, 1. S. 820. Dass Saadia den Timaeus gekannt hat, geht aus seiner Darstellung der zweiten Schöpfungstheorie hervor. Gegen die Auffassung Bloch’s (Winter und Wünsche, Jüdische Litteratur II. S. 712), dass die Seele nach Saadia ohne den Körper auch nicht zu denken und zu erkennen vermöge, spricht die gleich anzuführende Aeusserung: בי הנפש ח במה לעצמה. 72) Em. das. יאחר בן התבאר לי בי הנפש ח במה לעצמה מבמה פ:־ם. Der Ausdruck חכמה ist nicht ganz präcis, da aus demselben nicht zu ersehen ist, welches Erkennen der Seele an sich zukomme, und wird auch durch das angeführte Beispiel vom Blinden nicht klarer. 73) Saadia kommt hier nochmals auf die Ansicht des Asklepiades zurück, wonach die Seele nichts Anderes sei als die Totalität der Sinne in ihrer gemeinsamen

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