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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 43

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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— 37 — sehen übrigens, dass die arabischen Aristoteliker und die späteren jüdischen Religionsphilosophen in gleicher Weise zwischen der Aristotelischen und Galenischen Anschauung zu vermitteln suchen, indem sie als Sitz des Gemeinsinns und der anderen Erkenntnissvermögen das Gehirn betrachten, als die Quelle dieser Kräfte jedoch das Herz bezeichnen66). Manches freilich bleibt in der Anschauung Saadias noch immer dunkel. Wir wissen nicht, was nach ihm die Verbindung zwischen Gehirn und Herz herstellt, auch erfahren wir nichts über die Gründe, die ihn dazu bestimmt haben, in dieser eklektischen Weise zu verfahren und die Seelenfunktionen derart zu N trennen: als den Sitz der Wahrnehmung und der Bewegung das Herz anzunehmen, was an Aristoteles erinnert, die höheren Erkenntnissfunktionen hingegen in das Gehirn zu verlegen, was mit der Meinung Plato’s, noch mehr aber, wenn wir auf die Localisation der einzelnen Seelenkräfte eingehen, mit der Galens übereinstimmt. 06) w־ir begnügen uns hier auf die Worte Ibn Sinas, ZDMG, Bd. 29, S. 360 hinzuweisen, da wir auf das Verhältniss der jüdischen Aristoteliker zu Aristoteles und Galen hinsichtlich der Frage über den Sitz der Wahrnehmung noch später zurückkommen werden. Noch näher liegt der Hinweis. auf die bereits angeführte Unterscheidung zwischen dem '/^pj-GvixGv und ^g־(v/gv bei Tertullian, wenn anders die Erklärung, die Hirzel zu dieser Stelle giebt, richtig ist. Derselbe meint nämlich a. a. O. S. 778, rjsyiovizov bedeute bei Tertullian nicht wie sonst das Beherrschende, sondern den Ausgangspunkt des Seelenlebens, dasjenige, ״welches am Anfänge einer Entwickelung steht, deren Keim in sich trägt“, dies aber sei gerade der unvernünftige Theil, der seinen Sitz im Herzen habe. Demgemäss sei es auch kein Widerspruch wenn es Plutar. plac. phil. IV. 5 heisst, nach sämmtlichen Stoikern sei der Sitz der Seele im Herzen, und ebenso Galen, V S. 515: 6 0״ יApt3-0־ ־i'k-qz ״£ xa» 6 Iloasioomoc aovj wiv :q aip, gux ovojiäCouaiv, Guvdjistc 0י siva» ®a3» u.t׳zc ooohz ix r?jc x<zcg׳׳:c Gpu.0juiv7p während plac. phil. IV. 21, 5 der Sitz des ^sjiovixov in den Kopf verlegt wird. Die Vernunft nämlich werde bloss relativ rjcjxovtxov genannt, hingegen könne das Herz schlechthin 7Jy3uov1xov heissen, ״insofern es der Anfang und der Heerd des vegetabilischen und animalischen Seins im Menschen ist“. Derselben Ansicht scheinUauch Siebeck a. a. O. zu sein, nur ist die Ausdrucksweise ungenau, wenn er sagt, Posidonius unterscheide nach Tertullian in der Denkseele das tJysjjlgvlxgv von dem Xo־pxov. und zwar sei ״mit letzterem eine engere Bedeutung, mit ersterem eine weitere gemeint, in der dasselbe die ׳f«v־a3ia einschliesst und seinen Sitz im Herzen hat“. Die Phantasie allein konnte doch dem Denken gegenüber nicht als ypxGvixGv bezeichnet werden, dieses muss also jedenfalls schon mehr umfassen, und man kann demnach nicht von einer Unterscheidung in der Denkseele, sondern in der Seele überhaupt sprechen, wenn anders die Auffassung richtig ist, was bei der technischen Bedeutung, die das Wort yp^ovixgv bei den Stoikern hat, fraglich erscheint. In jedem Falle aber wird es nicht mehr bei Saadia auffallend erscheinen, wenn er das Herz schlechtweg als משכן הנפש bezeichnet, trotzdem er dem höchsten Seelenvermögen den Sitz im Gehirn anweist.

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