Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2720904-2720975--39-2724704
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

34 jedoch Jemand einwenden,, dass es eher dem Gehirn zukomme, Centralsitz der Seele zu sein, weil die grossen Aeste von demselben ihren Ausgangspunkt nehmen, so ist darauf zu erwidern, dass diese in keiner Weise der Seele dienen, sondern lediglich als Bänder (a'j'jözff’tiui) und Sehnen (rrvwrsc) des Körpers zu betrachten sind62). Mit dieser Anschauung von der Bedeutung des Herzens stimmt es auch überein, wenn in der Schrift so häufig Herz und Seele neben einander gestellt und wie verwandte Begriffe behandelt werden, z. B. Deut. 6, 5. 11, 1363). Diese Aeusserungen, die dem Kitab al־Amanat entlehnt sind, namentlich die Bemerkung hinsichtlich des Gehirns, erwecken den Anschein, als stünde Saadia ganz auf dem Standpunkte des Aristoteles, der dem Gehirn lediglich die untergeordnete Stelle eines Kühlapparates zur Ausgleichung der vom Herzen ausströmenden Lebenswärme zuweist. Dass dies jedoch ein Irrthum ist, davon überzeugt uns eine Stelle im Commentar zu den Sprüchen (S. 96), die noch in anderer Beziehung lehrreich und unsere Kenntniss von den psychologischen Anschauungen Saadias wesentlich zu ergänzen64) geeignet Y-Otpolq toic ivcqxoic slvea, toi; 03 «vezt^.01; 3v 10־ ccva/.0*f0v. Vgl. Alfarabi (Musterstaat, ed. Dieterici, S. 37) a.l.jij c *aäj ^JLäJ!! \ll f| . .. ^^ן(נ.£ב w Da besonders das Blut Träger dieses Warmen und des Pneumas ist, die beide in ihren Funktionen nicht streng geschieden werden können, konnte Saadia (S. 96) wegen des engen Zusammenhanges zwischen dem lebenwirkenden Prinzip der Wärme und des Pneumas mit denf Blute auch dieses als Sitz und Mittelpunkt der Seele bezeichnen. Vergl. Dieterici, Weltseele, 74; ״Der Lebensgeist ist ein zarter feuchter Hauch, der sich von der Feuchte des Blutes loslöst und sich durch alle Theile des Körpers verbreitet." Der warme Hauch, der nach Aristoteles bloss Organ der Seele ist, wird von Vielen, wie Duran 35 מגן אברת a richtig bemerkt, mit der Seele selbst verwechselt, was leicht erklärlich erscheint, da die Stoiker thatsächlich die Seele als Pneuma bezeichneten. Von Galen wissen wir, dass er in seinem Skepticismus zu keiner Entscheidung darüber gelangen konnte, ob das Pneuma für die Seele selbst, oder bloss für ihr erstes Organ zu halten sei, Siebeck a. a. O. II, S. 147. 62) Nach Aristoteles sind die aus dem Gehirn ausgehenden Verästelungen sehnenartig und werden von anderen ähnlichen Gebilden nur durch die Bezeichnung des Ursprungs 7cöp01 toD rp'.g'pcft.ou unterschieden, Haeser, Geschichte der Medicin I, S. 221. 68) Vergl. Ibn Ezra und Nachmani in ihren Commentaren zu Deut. 6, 5. 64) Der Wichtigkeit halber führen wir die Stelle wörtlich an. In Sprüchen 18, 14 findet Saadia den Gedanken ausgesprochen, dass die körperlichen Krankheiten leicht zu heilen seien durch richtige Lebensführung, hingegen müsse die Heilung derJSeelenkrankheiten von Gott erfleht werden. Diese können die 16 Kräfte der Seele befallen: das Denken, die Erinnerung, das Urtheil im Gehirn, das PneumaJ des Gesichtssinnes, des Gehörs, des Geschmacks, des Geruchs in den vier Sinnesorganen, die anziehende, festhaltende, verdauende (assimilirende),

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.