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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 35

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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29 In keinem Falle darf man daher die Anschauung Saadias mit Ansichten vergleichen, welche die Seele als einen Körper bezeichnen, mögen sie die Natur dieses Körpers wie immer beschreiben 40). 49) Wir heben dies besonders hervor, weil man in der Anschauung Saadias eine Aehnlichkeit finden wollte mit der Ansicht des Mutaziliten Nattam, von welchem Sahrastani I, 38 (H. 55) berichtet, er habe die Seele als ein feines körperliches Wesen betrachtet, welches den Körper ganz durchdringe, vgl. Guttmann a. a. O. Ebenso sagt Schreiner a. a. O. S. 17 A. 3 mit Berufung auf eine Stelle aus dem Kitab aL Fark des fAbd al-Kahir, in welcher die Ansicht Nattams im Wesentlichen ebenso wiedergegeben ist als bei Sahrastani, der Anschauung Nattams stehe die Saadias am nächsten. Dieser Vergleich ist nach unserer Meinung keineswegs zutreffend, zunächst schon aus dem Grunde, weil Nattam die Seele ausdrück־ lieh als feinen Körper erklärt (v^sulai ^w״>), was Saadia seinerseits ablehnt. Wollte man jedoch von dem Ausdrucke absehen und behaupten, dass gleichwohl eine sachliche Uebereinstimmung vorhanden ist, so wird der Gegensatz um so schärfer hervortreten, wenn wir die wahre Meinung Nattams aus dem Zusammenhänge mit seinen sonstigen Ansichten zu ergründen suchen. Welcher phüosophischen Richtung folgte Nattam? Wir können auf diese Frage eine präcise Antwort geben: Nattam war ein Anhänger der Stoa. Als Beweis kann Folgendes dienen. Zunächst berichtet von ihm Sahrastani S. 39 (H. 57), er habe behauptet, dass die Farben, Geschmäcke und Gerüche Körper seien, — eine Lehre, deren stoischer Ursprung sofort in die Augen springt. Stoisch ist auch seine Behauptung daselbst S. 38 (H. 55), dass der Mensch in Wirklichkeit die Seele, und der Geist sei und der Körper nur das Werkzeug und die Form derselben, denn dieselbe Lehre wird auch von den Stoikern mitgetheilt, so von Kleanthes, Epiphan. adv. haer. III, 1, 37: za! ^vö50)־)k0v sxaXsi {jlovtjv x7jv vgl. Stein, die Psychologie der Stoa I, S. 209 A. 450. Die gleiche Anschauung wird zwar auch Plato zugeschrieben, Nem. a. a. O. S. 10: IILcrcojv 0': 0 j \£31ך tov «V9־pü)Tov sivai to 30va11<p0T3p0v, <Jn>y7jv xai ato^a atXa 6uy7]v atoiiora touoos ypiouivyjv, und auf dasselbe kommt die Aeusserung Plotin’s hinaus, Ennead. IV. 7, 1: To 03 xüpu0T«7.T0v za! ccüto; 6 av9־pa)7 ^0־.azä to 3<ow.a 317} h 7j 0)^ to stooc Tpo^ uX7]v \ toc, to ypdju.3vov ״poc op־^avov. 3xaT3pa>s 03 7] 60y7} 7.ÜTÖQ. Gleichwohl wird es richtiger sein anzunehmen, Nattam habe seine Ansicht aus stoischer Quelle geschöpft, da wir seine Abhängigkeit von den Stoikern in einem Punkte bereits nachgewiesen und auch in anderen Punkten darthun werden. Wenn daher Sahrastani nach Anführung der eben gehörten Ansicht über den Begriff Mensch fortfährt mit der Bemerkung, Nattam wäre nicht im Stande gewesen, die Lehre der Philosophen ganz zu fassen, da er zur Ansicht der Naturalisten hinneigte, dass die Seele ein körperliches Wesen sei, so ist dies ein Irrthum, denn beide Ansichten entstammen keineswegs, wie Sahrastani anzunehmen scheint, verschiedenen Systemen, sondern Nattam verdankt beide Lehren den Philosophen, die von Sahrastani als Naturalisten bezeichnet werden, und worunter Niemand anders zu verstehen ist als die Stoiker. Charakteristisch für die Psychologie der Stoiker ist ferner ihre Behauptung, dass die Seele den Körper ganz durchdringe, was mit ihrer Lehre von der Möglichkeit einer völligen Durchdringung zweier Körper (xpa<301;>.׳’ o/aov) zusammenhängt, und gerade diese Behauptung hinsichtlich der Seele wird auch Nattam zugeschrieben sowohl von Sahrastani als von rAbd al-Kahir, bei welch Letzterem auch die technische Bezeichnung für xpa3*.^ ot’ 67,üjv angegeben ist: Und wenn von der Art, in

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