Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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Es lässt sich nicht leugnen, dass auch nach dieser Darstellung die Seele als etwas Halbmaterielles, Stoffartiges erscheint, wenn auch Saadia, wie wir gesehen haben, bemüht ist, die grob־ materialistischen Vorstellungen von der Seele zurückzuweisen und den Begriff der Körperlichkeit von derselben fernzuhalten48). Diesen Eindruck gewinnt man auch, wenn man mit unserem bisherigen Ergebniss die Aeusserungen Saadias über die angeblichen Wirkungen vergleicht, welche Sünde und Tugend auf die Substanz der Seele ausüben sollen. Beide lassen nach seiner Meinung bleibende Spuren in dem Wesen der Seele zurück, indem die Tugend ihre Reinheit und Lauterkeit erhöhet, die Sünde aber sie befleckt und ihren Glanz trübt und verdunkelt (S. 99). Die Worte Saadias und der Zusammen־ hang, in dem er diese Bemerkungen macht, lassen keinen Zweifel darüber aufkömmen, dass er dieselben keineswegs metaphorisch, sondern durchaus im buchstäblichen Sinne verstanden wissen will. Wir finden demnach, dass Saadia zwar bestrebt ist, die Vorstellung von der Seele so weit als möglich zu vergeistigen, weshalb er sie auch über jeden Vergleich mit irgend einem Dinge der Sinnenwelt erhebt und das Seelenwesen selbst die Substanz der Sphären an Reinheit übertreffen lässt; wie sich aber am Ende seiner Unter־ suchung herausstellt, ist seine Seelensubstanz schliesslich doch nichts Anderes als ein sublimirter Stoff, eine feinere Materie. Ganz gleichgiltig nun, ob man in den Ausführungen Saadias einen Mangel an Folgerichtigkeit und eine Halbheit erblicken oder der Meinung sein will, er habe von vornherein zwischen Incorporeität und Immaterialität genau unterschieden und auch ursprünglich nichts Anderes beabsichtigt, als der Seele zwar die erstere, nicht aber die letztere abzusprechen: darüber lassen seine Worte keinen Zweifel, dass er die Seele nicht als etwas Körperliches betrachtet wissen wollte. 8, 4 heisst es von der intelligiblen Welt: oiacpavyj קמץ izdvza xat azoxstvov ouos ovtitutcov ouosv, aXXa %äc 7uav־l cpavspo!; s'c ~0 st3<0 xai näv-a: (pojc קמץ (püjxt. Obgleich ש tue; קמץ cpoixi sich wohl erklären lässt, wird es vielleicht doch richtiger sein 03 שc קמץ £v (pu)T1 zu lesen, welche LA. dem Verfasser der Theologie vorlag, der S. 53 unsere Stelle wiedergiebt durch (denn die Dinge sind dort Licht im Lichte), womit Anthropologie (ed. Dieterici S. 102) zu vergleichen ist: ״Hat dann die Seele jene geheimnissvollen Dinge erschaut, so hängt sie sich an sie, so wie der Liebende an die Geliebte, sie wird Eins mit ihm, Licht in Licht.“ In gleicher Weise wie mit Moses Ibn Esra, verhält es sich mit der später noch zu besprechenden Aeusserung B a c h j a’s, Herzenspflichten II, 5, in der man leicht versucht wäre, eine Verwandtschaft mit der Anschauung Saadias zu finden, vgl. Guttmann a. a. O. und Kaufmann, die Theologie des Bachja Ibn Pakuda, S. 26 A. 4. 48J Vgl. Schmiedl a. a. O. S. 137.