Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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— 25 ständige Wesenheit gedacht wird. Gleichzeitig sucht er eine Annäherung an den Aristotelischen Standpunkt insofern, als er die Seele in eine engere Beziehung zum Körper setzt. Wir werden demnach in seinem Sinne sagen dürfen, die Seele stehe nicht in einem so rein äusserlichen Verhältniss zum Körper, wie es nach Plato der Fäll ist, da sie weder als von Ewigkeit her, noch als zeitlich präexistirend vorzustellen sei, um sich zu einem bestimmten Zeitpunkte einen beliebigen Körper zum Wohnsitz zu wählen41); sie trete auph überhaupt nicht von aussen in ihn ein, sondern werde vielmehr mit und in ihm geschaffen. Eine Bestätigung für diese seine Ansicht scheint Saadia in der von ihm zuerst angeführten Stelle aus dem Propheten Zacharia und in den Worten des Propheten Jeremia zu finden, in denen von einer bestimmten besonderen Seele die Rede ist und nicht von einer solchen, die in jeden beliebigen Körper eingehen kann42). Auf der andern Seite hat man sich das Verhältniss von Seele und Leib nicht etwa in der Weise des Aristoteles zu denken, so dass die Eine die untrennbare Entelechie des Andern wäre, vielmehr ist die Seele, wenn auch in engster Verbindung mit dem Körper stehend, eine für sich bestehende Wesenheit, unmittelbar von Gott geschaffen und zu gleicher Zeit mit dem Körper ins Dasein gerufen43). Will man in diesem modificirten Sinne die Seele als die Entelechie des Leibes, als das formende und bewegende Prinzip desselben betrachten, ohne darum ihre selbständige Wesenheit aufzuheben, so wird dies vielleicht nicht gegen die Ab- 41) Vgl. Aristoteles, de anima II, 2, 414 a 21, der speciell im Hinblick auf die Platonische Anschauung bemerkt: za». 01c xo5׳x׳> sv 3cdp.«xt 07:epys1 xct sv 3c»>p.ex1 xoto'jxcp xct o׳jy (V)a7csp 01 rcpoxspov sic acouia ivr^ppLoCov a־j־c7jv, ou&ev Tüpoadtop'lCovxs!; sv x.vi xct sv ־iroUp xawcsp oüos cpcivouivoo xoö xoydvxo^ osysaä-a• xd xuyov. Aehnlich S. 407b 15. 42) Wie aus dem Zusammenhang hervorgeht, scheint Saadia die Stelle aus Jeremia in diesem Sinne als Beleg anzuführen, indem er die Worte הזאת und לני betont wissen will. Dagegen erfahren wir aus שבילי אמרנה (Riva di Trento 1558) 92 d, dass Einige gerade auf unsere Schriftstelle zum Beweise für die Einheit der Seelen sich berufen, was selbstverständlich die Annahme der Präexistenz invoivirt: עוד אמר צדקיה חי די אשר עשה לנו את הנפש הזאת אמר לנו ואמר זאת ולא אמר נפשות אלו משמע שכולם הם אחד. 43) Eine auffallende Aehnlichkeit weist die Ansicht Saadias auf mit der von Nemesius, nat. hom. S. 45 im Namen des Eunomius mitgetheilten: Eüvdp.10; de (0p .3axo x7jv <Jjuyy]v 0ü3’cv d30jp.axov sv ad)p.cxt xxiCopisvrjv. Von dieser Ansicht bemerkt Nemesius, sie sei eine Combination der Platonischen und Aristotelischen, und zwar finde eine Uebereinstimmung mit der ersteren insofern statt, als die Seele als eine für sich bestehende unkörperliche Wesenheit aufgefasst werde, mit der letzteren aber insofern, als die Seele im Körper geschaffen werde (xd 0£ sv 3c«p.axt xi! Cop-svrjv ex x^c yAptaxoxsXou<; BidaoxaX'lac).