Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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24 hervorgehen lässt und sich demnach für den Creatianismus gegen den Traducianismus entscheidet. Dies wird jedoch von Saadia nur nebenbei ausgesprochen; in erster Reihe kommt es ihm vielmehr darauf an, zur Platonischen Anschauung von der Ewigkeit der Seele einerseits, und zur Aristotelischen von der Seele als Entelechie des Körpers andererseits, Stellung zu nehmen40). Zwischen diesen beiden massgebendsten Anschauungen des Mittelalters hält nämlich die Ansicht Saadias die Mitte, und wir glauben, dass er gerade auf diesen Punkt hat hin weisen wollen. Dies wird um so deutlicher, wenn man bedenkt, dass er im Anfänge unseres Abschnittes gar nicht die Absicht kund giebt, die Platonische Ansicht ernstlich in Betracht zu ziehen und sie bloss nebensächlich behandelt, wie eine Meinung, die für ihn als abgethan gilt. Was aber veranlasst ihn diese bereits abgethane Theorie an unserer Stelle noch einmal hervorzuholen? Offenbar, weil er sich dessen bewusst ist, dass seine eigene Ansicht sowohl mit der Platonischen als auch mit der Aristotelischen eine gewisse Verwandtschaft hat, wenn sie auch mit keiner von beiden sich vollständig deckt. Eine Ueberein- Stimmung mit Plato ist insofern vorhanden, als die Seele als selb- 40J Die Worte עם שלמות צורת גרפו lassen eine verschiedene Auffassung zu, wenn man speziell auf den Ausdruck שלמות Rücksicht nimmt. Es wäre möglich, dass hiermit nur eine genauere Bestimmung des Zeitpunktes gegeben wird, wann der Körper beseelt werde. Vergleiche die Behandlung dieses Punktes in תורות הנפש s. 50: רוצים אנחנו לשוב ולבאר בזה הפרק ענין הנשמה ואיך יסכים בזה מאמר התורה עם מאמר איוב כי לפעמים יוכלו אנשים לשער בנפשם שיש סתיייה בין שני• המאמרים בענין חדירת הנשמה באדם ♦ . ... תחלת זה הוא מאמר התורה באדם ויפה באפיו נשמת חיים ועוד כל אשר נשמת רוח חיים באפיו הנה! נוכל להכין מזה שבשעה שנשלמה יצירת אדם ובהשלמת יצירת כל איש ויציאתו מבטן אמו תבא הנשמה באפו ויהיה הי ואיוב אמד ופקודתך שמרה רוחי הנה הוא יורה שכח הנשמה מתחיל תיכף אחר נפילת הזרע. Bekanntlich ging die Ansicht der Stoiker dahin, dass im Embryo noch nicht die Seele, sondern bloss gleich wie in den Pflanzen die Natur (cpcb׳;) wirksam sei, womit vielleicht in Verbindung steht die Frage, die Synhedrin 91b dem Antoninus in den Mund gelegt wird: ינשמה מאימתי נתנה באדם wenn auch nicht zu übersehen ist, dass es hier heisst משעת יצירה או משעת פקידה. Hätte jedoch Saadia diese Frage im Auge gehabt, so würde er sich nicht so kurz gefasst haben, wesshalb wir mit Guttmann a. a. O. S. 199 A. 2 übereinstimmen, der in den Worten Saadias eine Bezugnahme auf die früher bereits erwähnte Aristotelische Ansicht erblickt. Es bleibt jedoch zweifelhaft, ob in diesen Worten lediglich eine Zurückweisung jener Ansicht oder auch eine theilweise Uebereinstimmung enthalten ist, so dass אבל הבורא בורא אותה מם שלמות צורת האדם bedeuten würde: die Seele ist nicht Entelechie des Körpers im Sinne des Aristoteles, nicht die untrennbare Form desselben, sondern selbständige Wesenheit, zugleich aber doch gestaltendes und bewegendes Prinzip des Körpers. Indem daher Gott die Seele schafft, schafft er zugleich die Entelechie des Letzteren.