Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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23 diese Seele geschaffen“38). Diese Aeusserungen Saadias sind noch zu ergänzen durch einen für die Beurtheilung seiner Anschauung sehr wesentlichen Zug, der hier nur flüchtig von ihm angedeutet, um so nachdrücklicher aber im Anfänge unseres Abschnittes hervorgehoben wird. Danach wird die Seele nicht bloss gleichzeitig mit dem Körper, sondern auch in demselben, und zwar im Herzen, geschaffen39). Ueberblicken wir diese Aeusserungen im Zusammenhang, so erfahren wir zunächst, was den Entstehungsgrund der Seele betrifft, dass Saadia dieselbe durch einen unmittelbaren Schöpfungsact Gottes 38) Em. s. 97: ואומר כי אשר התאמת בי הנפש ברואה בעבור מה שקדמתי מחדוש בל נמצא והפסד שיהיה דבר קדמון זולתי הבורא ומאמר הבורא יוצר רוח האדם בקרבו אבל הבורא בורא אותה עם שלמות צורת האדם כאמרו בקרבו וכאשר לא סרו אבותינו נשבעים חי ד׳ אשר עשה לנו את הנפש הזאת. Mit קדמון scheint Saadia die Ewigkeit der Seele negiren zu wollen, nicht bloss die Präexistenz, denn offenbar liegt in seinen Worten ein Hinweis auf seine Ausführungen im ersten Abschnitt, die Präexistenz der Seele ist jedoch von ihm nirgends vorher widerlegt worden. Wenn er demnach fortfährt אבל הבורא בורא אותה ובו׳, so könnte man darin eine Steigerung erblicken, insofern auch die Präexistenz ausgeschlossen wird, Saadia jedoch scheint zwischen Präexistenz und Ewigkeit gar nicht zu unterscheiden, sondern er kennt bloss Ansichten, welche die Ewigkeit der Seelen lehren, was selbstverständlich die Präexistenz involvirt. Unter diesen Ansichten haben wir uns die dritte, vierte und fünfte Schöpfungstheorie zu denken, auf die Saadia im Eingänge unseres Ab- Schnittes hinweist. Was Plato betrifft, so sind seine Aussagen einander widersprechend, indem er an einigen Stellen unzweideutig die Ewigkeit der Seele behauptet, während er im Timaeus ein zeitliches Entstandensein derselben anzunehmen scheint; doch kann die mythische Darstellungsweise im Timaeus nicht in Betracht kommen gegen seine sonstigen klaren und unzweideutigen Aussprüche, vergl. Zeller (4) II, 1, S. 827 A. 1 und S. 834. Bemerkenswerth ist es darum, dass Saadia die eigentliche Meinung Plato’s richtig auffasst, indem er auch ihn zu den Anhängern von der Ewigkeit der Seele rechnet, auf dessen Ansicht er noch besonders im IX. Abschnitt S. 138 Bezug nimmt. Dort nämlich sucht er dem Einwand zu begegnen, warum man nicht in gleicher Weise, wie man die Möglichkeit einer unendlichen Fortdauer nach dem Tode zulasse, auch die Möglichkeit einer zeitlosen Existenz in Bezug auf die Vergangenheit einräume. Dies gerade aber ist die Anschauung Plato’s, der das Eine von dem Andern abhängig macht und aus dem Begriff der Seele folgert, dass sie ebenso immer war, wie sie ewig sein wird. Auffallend ist nach alledem die Bemerkung Ibn Ezra’s in seinem Commentar zu Jesaia 48, 16: אמר הנאון מכאן רמז כי הנשמה קודם הגוף, die mit der hier von Saadia klar ausgesprochenen Ansicht von der gleichzeitigen Schöpfung des Körpers und der Seele in schroffem Widerspruch steht. Wenn den Worten Ibn Ezra’s kein Irrthum zu Grunde liegt, so wäre daraus zu entnehmen, dass es Saadia hauptsächlich darum zu thun ist, die Ansicht von der Ewigkeit der Seele zu widerlegen, während er hinsichtlich der Möglickkeit einer zeitlichen Präexistenz seiner Sache nicht ganz so sicher war und selber schwankte. 39) Em. s. 95: הודיטנו אלהינו יתברך ויתעלה כי התחלת נפש האדם בלבו טם שלמות צורת גופו.