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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 28

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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IRI
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22 sache bestätigt wird, dass ihre wechselnden Zustände gewisse Begleiterscheinungen im Blute zur Folge haben. So äussert sich beispielsweise die Freude in einem gewissen Hervortreten des Blutes, das gleichsam mit der Seele nach aussen strebt, während die Furcht sich in einem Zurückweichen desselben kund giebt, indem e6 gleichsam mit der Seele die Flucht ergreift und sich nach innen zurückzieht37). Wenn daher an der zuerst erwähnten Schriftsteile das Blut Seele genannt wird, so geschieht dies nach einem bekannten Sprachgebrauch, wonach man eine Sache häufig metonymisch nach dem Gegenstände benennt, der ihr als Substrat oder Organ dient, wie in der Schrift häufig für Weisheit der Ausdruck ״Herz“ (Sprüche 7, 7), für Sprache der Ausdruck ״Lippe“ (Genesis 11, 1) gebraucht wird, weil das Herz als Sitz der Weisheit angenommen wurde, die Lippe das Werkzeug der Sprache ist. VII. Nach der Prüfung und Zurückweisung der angeführten Theorien geht Saadia an die Darlegung der siebenten Ansicht, die er für die einzig wahre und mit den Aussagen der Schrift übereinstimmende erklärt. Seine Darstellung macht den Eindruck, als ob er eine fremde Ansicht vortrüge, die anderwärts bereits gegeben ist und von ihm lediglich acceptirt wird, nicht aber, als hätte sie ihn selbst zu ihrem Urheber und würde von ihm zum ersten Male ausgesprochen. In Wirklichkeit werden wir finden, dass eine gleiche Anschauung über die Seele bereits vor ihm geäussert worden und dass die Möglichkeit einer Entlehnung nicht ausgeschlossen ist. Vielleicht aber ist die Darstellungsweise Saadias lediglich darauf zurückzuführen, dass er die siebente Ansicht im Wortlaute der Schrift begründet glaubt, so dass man eine Entlehnung aus einer externen Quelle nicht unbedingt annehmen muss. Nach diesen Vorbemerkungen wenden wir uns zu Saadias eigenen Worten zurück. Die Seele, sagt er, ist nicht ewig, da, wie anderwärts nachgewiesen worden ist, alles Seiende ausser Gott in der Zeit entstanden ist. Sie ist daher von Gott geschaffen, was auch die Schrift ausdrücklich bezeugt mit den Worten: ״Er schafft den Geist des Menschen in seinem Innern“ (Zach. 12, 1), und zwar zugleich mit der Vollendung der Form des Menschen, wie es in der eben angeführten Stelle heisst ״in seinem Innern“. Bestätigt wird diese Anschauung durch die bei den Alten übliche Schwurformel, die wir bei Jeremia (38, 16) finden: ״So wahr der Ewige lebt, der uns 37) Vergl. den Commentar zu den Sprüchen, S. 148: לפי שהנפש שוכנת בלב וכשהאדם חרד תצא ממרכזה וכשהוא שוקט תשוב אל מקובה.

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