Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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20 sache, dass auch die Sinne getrennt sind und gleichwohl einander vertreten, entkräftet werden, weil eben die Sinne in einem Centrum zusammenlaufen®2), während die Anhänger der in Rede stehenden Theorie zwei besondere Seelen anzunehmen scheinen, die substantiell und wesentlich von einander geschieden sind88). V. Nach der fünften Theorie besteht die Seele aus zwei Luftarten, von welchen die eine innerhalb, die andere ausserhalb des Körpers sich befindet84). Zu dieser Ansicht hat nach der Meinung Saadias wahrscheinlich die Wahrnehmung geführt, dass die Seele 32) Saadia weist hier zurück auf seine eigenen Ausführungen im ersten Abschnitt S. 34, wovon weiter unten die Rede sein wird. Anstatt durch ואין בתשובה הזאת sind die Worte des Originals: durch ואין בזה התשובה wiederzugeben, was allein an unserer Stelle einen passenden Sinn giebt, vergl. Monatsschrift 1897, S. 313 A. 2. **) Em. das. אבל אומר בי הנראה מן המאמר הזה הוא שהנה שתי נפשות מפני שכל חלק לבד. Diese Worte lauten nicht bestimmt genug, um die Absicht Saadias klar hervortreten zu lassen, so dass es zweifelhaft ist, ob Saadia sagen will, es sei aus dem Umstande, dass die Anhänger der vierten Theorie jedem Theile einen besonderen Sitz anweisen, zu entnehmen, dass sie zwei von einander getrennte Seelen angenommen haben, oder ob die Worte מבניי שכל חלק לבד ganz allgemein zu fassen sind: weil sie jeden Theil als für sich bestehend und von einander verschieden ansehen. Nach der ersteren Erklärung wäre der Gedanke präciser, allein^Saadia würde dadurch in Widerspruch gerathen mit sich selber, da auch er jedem einzelnen Vermögen einen besonderen Sitz anweist, so z. B. der Begierde die Leber, vergl. Commentar zu den Sprüchen S. 136. 34) Em. das. יהחמישי מי שאמר שהיא שני אוירים האחד מהם מבפנים והשני בחרן. Was diese Ansicht betrifft, so könnte man zunächst an Demokrit denken, welcher nach Aristoteles, de anima I, 1, 404 a 10 angenommen haben soll, dass das Leben auf einem beständigen Zufluss von Seelenatomen beruhe, da durch den Druck der äusseren Umgebung die inneren Seelenatome ausgepresst werden, wesshalb, um den Abgang zu ersetzen, Hilfe von aussen komme (ßovjilstav ihjpßfrsv). Wenn nun auch diese Ansicht bei Aristoteles nicht gerade so formulirt ist, wie bei Saadia, so wäre es gleichwohl denkbar, dass die Demokritische Anschauung von Saadia in dieser besonderen Fassung wiedergegeben wurde. Allein, wir haben es nicht nöthig, zu einer solchen Annahme unsere Zuflucht zu nehmen, da die Darstellung Saadias auf die Ansicht Heraklit’s weit besser passt, vergl. Nemesius a. a. O. S. 28: ‘HpdxXctTOC 03 T7;v TOü ZCZVTOC «VaÖUJJLtßCJlV SX TÜ)V Ü־(p0JV, I7JV 03 SV TOlC; £0301^ dzo ts ttjc Ixto; xai Trjc sv aüxot; dvahuj110hsa>c; ojjLO'fcvyj ׳jcsfpuzsvai. Auf die gleiche Grundanschauung weist hin, was Sextus Empiricus adv. Math. VII, 129 von Heraklit mittheilt: iv ‘(dp toiutlvolc; y.uaavTü)v x&v ß'.aö7]~1xujv ׳Jiöpiuv ytwpXsxai T7jc izpoc, to?uspisyov 3u\L<pv1czz 6 sv r'|uv voDs p.övrj<; T7fc ysnd avßTüvorjv 7rp03<p03sü3; atüC0|j1ivrן; o'.ovst tivgc yojpi^hs'c xs rp 7cpoxspov siys ^.vr^iovix^v cuvßjiiv. Wir wollen es nicht unterlassen, auf die bei Späteren vorkommende Unterscheidung eines doppelten 7cvs0p.ef, nämlich ar]p und <poaa (äussere und innere Lebensluft) hinzuweisen (vergl. Siebeck, a. a. O. II, S. 492 Note 35), halten jedoch die Identificirung der fünften Theorie mit der Ansicht Heraklit’s für allein richtig.