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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 25

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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IRI
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19 der im Herzen seinen Sitz hat, und einem animalischen, vergängliehen, der durch den ganzen Körper verbreitet ist31). Diese Ansicht erweist sich nach Saadia aus einem doppelten Grunde als hinfällig Denn zuvörderst könnten beide Theile, wenn der denkende Theil von dem im Körper verbreiteten substantiell verschieden wäre, keinerlei Verbindung mit einander haben, da der Eine ewig und unvergänglich, der Andere in der Zeit entstanden und vergänglich ist. Ferner könnten, wären beide Theile nicht wesenseins, die Wahr־־ nehmungen der Sinne nicht zum denkenden Theil gelangen, und derselbe müsste jeder sinnlichen Erkenntniss beraubt sein. Der letztere Einwand kann dabei keineswegs durch den Hinweis auf die That- 31) Em. das. והרביעי בי שאבד שהיא שני חלקים החלק האחד שכלי דברי ואיננו בלה והוא שוכן בלב והשני חיוג יוהוא מתפשט בשאר הגוף והוא כלה. Guttmann a. a. o. S. 197 A. 1 will in dieser Theorie die Ansicht der Stoiker erkennen, die den herrschenden Theil der Seele in die Brust verlegten, während sie die Lebenskraft durch den ganzen Körper verbreitet sein Hessen. Gegen diese Auffassung, für die vielleicht der Ausdruck מתפשט בשאר הגוף sprechen könnte, erheben sich jedoch mancherlei Bedenken. Zunächst haben die Stoiker nach der bei ihnen vorherrschend gewordenen Eintheilung acht Seelentheile unterschieden, vergl. Zeller (3) III, 1, S. 198, und wenn auch die Angaben hierüber schwanken und Manche von diesem Kanon abwichen, so wird doch Niemandem unter ihnen eine Zweitheilung zugeschrieben, wie aus Tertullian, de anima, c. 14 zu ersehen ist. Mehr jedoch noch fällt der Umstand ins Gewicht, dass gerade die Stoiker es waren, welche in noch strengerer Weise als Plato und Aristoteles die Einheit der Seele festzuhalten bemüht waren, was von Zeller gleichfalls a. a. O. bemerkt wird. Demnach passt die Darstellung Saadias gerade in dem Punkte, auf den es hier am meisten ankommt, auf die Stoiker nicht. Es ist daher nur an Plato zu denken, dessen Trichotomie eigentlieh dichotomisch ist, und der an mehreren Stellen einen doppelten Seelentheil unterscheidet, einen unsterblichen und göttlichen, der von ihm Timaeus 41 auch 75־f£|i.0v0üv genannt wird, und einen sterblichen, vergänglichen, der sich der Seele bei ihrem Eintritt in den Körper ansetzt. Diese Zweitheilung der Platoniker ist es auch, auf die Aristoteles, de anima III, 9 hinweist mit den Worten: 01 0tov Xöpv I'yrov za! to aXofov, vergl. Trendelenburg, de anima zur St. (2. Aufl. S. 441). In dieser Richtung gingen Numenius, der Neupythagoreer, und Andere noch weiter, indem sie nicht bloss zwei Seelentheile sondern zwei Seelen unterschieden, womit der Ausdruck Saadias שתי נפשות sich ganz decken würde, vergl. Stobaeus a. a. O. I. 836: ä־k\o1 02, &v za! Noü|a7׳vlo<; 06 ~pia usp7j utä; 7j 660 ׳)־s, t6 X0f0./־׳v xai akoyov. vXka 060 tjjjlöc oiovTai, ׳»jotcsp zai äkkoi ~7]v j1£v Xo'p.x^v t7]v 02 aA.o׳|־ov. Auf die Platoniker passt auch in der Darstellung Saadias die Behauptung, dass die Anhänger der vierten Theorie die Ewigkeit des denkenden Theils angenommen hätten, da dies thatsächlich die Ansicht Plato’s war, der nicht bloss die Präexistenz, sondern auch die Anfangslosigkeit der Seele lehrte. Eine Ungenauigkeit bleibt freilich in der Darstellung Saadias zurück, insofern er dem vernünftigen Theil seinen Sitz im Herzen anweist, was mit der Ansicht der Platoniker nicht übereinstimmt. Vergl. auch Plut. plac. phil. IV, 5, Nemesius a. a. O. S. 97. Theologie S. 43 (Uebersetz. S. 44).

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