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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 23

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Während Saadia die erwähnten Ansichten unter Hervorhebung des ihnen Gemeinsamen zu einer Theorie zusammenfasst und als eine solche widerlegt, begnügt er sich bei den anderen von ihm bekämpften Theorien, wie bereits oben angedeutet, damit, sie ohne jede Verknüpfung der Reihe nach aufzuzählen und aus verschiedenen Gründen zurückzuweisen. Der Unterschied zwischen ihnen und der ersten Theorie lässt sich kurz dahin charakterisiren, dass die zur ersten Theorie gehörigen Ansichten die Seele zwar nicht als einen Körper, wohl aber als etwas am Körper betrachten, während fangsworte an die Lehre der Mutakallim erinnern, so erinnert der Schluss, die Seele müsse eine Substanz sein, weil sie die Gegensätze in sich aufnimmt, an eine bekannte Aristotelische Bestimmung der Substanz (vgl. Kateg. 4a 10), so dass es den Anschein gewinnt, Saadia sei sich dessen gar nicht bewusst, dass zwischen Aristoteles und Kalam hier eine Meinungsverschiedenheit obwalte. Nun haben zwar, wie aus einem Citat bei Schreiner a. a. O. S. 46 A. 1 sich ergiebt, die Mutakallim selber jene Aristotelische Bestimmung sich angeeignet und in ihrer Definition des Atombegriffes verwerthet, indem sie die Atome als dasjenige definirten, das die Gegensätze in sich aufnimmt, und man könnte demnach behaupten, dass es lediglich die Anschauungsweise des Kalam ist, in der sich Saadia von Anfang bis zu Ende bewegt. Trotzdem scheint es, dass Saadia der Meinung ist, einen Lehrsatz des Aristoteles selber gegen dessen eigene Anschauung von der Seele, wie auch die übrigen Ansichten, als Waffe benützen zu können, da wir demselben Einwand, den Saadia erhebt, bereits bei Nemesius begegnen, welcher speziell gegen die Aristotelische Definition von der Seele geltend macht, dass nur die Substanz als Hyle die Gegensätze in sich aufnimmt, nicht aber als Form, mithin könne die Seele nicht Form des Körpers sein, vergl. nat. hom. S. 42: q uiv ‘(dp atwiiaxiz/j 003■ a mpd [Lip0; xtüv svavx'üjv eazi oexzixq' q oe xazd zb 2100; ouoayiük;• iav ץdp q mzd. T0 stoo<; qiacpopa ]xezaWa-(q ^.ezaXkazzezai xal zb £tj)0v. u>3xs ooy q xazd zb ziboc, 0׳J3׳a xdüv ivavx'tuv iaxi Oczxtx*/], akV q 'mzd. xo ütcoxs'ulsvov, 7j aumaTixvj. 00 oovaxcn to’vüv q yq xax’ ooosva zpoxov evzeXeyeia xoo aioytaxo^ siva׳.• dXV ooata aüxoxsX^; «30)1*0x0*. rjj.pd. (ispoc ‘(dp i^tor/ sxai xasvavx'l« zaxiav \ dpezqv. Diese Beweisführung ist nicht ganz einwandsfrei. Nemesius denkt bei der Bestimmung, die Substanz nehme die Gegensätze in sich auf, nicht an die Gegensätze der Qualität und der Accidenzen überhaupt, sondern versteht darunter auch die Gegensätze der Form, und dann freilich trifft die Bestimmung nur zu auf das materielle Substrat, denn die Form kann keine andere Form in sich aufnehmen. Auf der anderen Seite werden als Beispiele von Gegensätzen, welche die Seele in sich aufnimmt, solche der Qualität angeführt Wie es sich aber auch damit verhalten mag, Saadia hat den Einwand jedenfalls entlehnt, und gleichwie Nemesius die Aristotelische Begriffsbestimmung der Substanz gegen dessen eigene Theorie geltend macht, so scheint auch Saadia sich berechtigt zu halten, aus der Begriffsbestimmung der Substanz bei Aristoteles die Substantialität der Seele zu folgern. Vgl. übrigens die Beweisführung Plato's, Phaedo 93 C gegen die Ansicht, dass die Seele die Harmonie des Leibes sei, welche Stelle als Quelle gedient zu haben scheint für diesen Einwurf, dessen sich, wie wir gesehen haben, Nemesius und Saadia bedienen, und der sich auch bei Costa ben Luca, de differentia Spiritus et animae, ed. Barach, Seite 131 findet.

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