Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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■׳ysipjJ. ‘ .■*^י^.'-' '•'M — 16 — dasselbe als ein Accidenz zu betrachten, indem man in der Subtilität der Seele eine Aehnlichkeit mit der Subtilität der Accidenzen entdecken zu können glaubte, — ein Vergleich, der selber nicht recht fassbar und schon darum cum grano salis zu verstehen ist, weil doch die Accidenzen wohl mit den Sinnen wahrnehmbar sind25). Klarer und bestimmter lauten die beiden Einwände, die Saadia gegen die erwähnten Ansichten erhebt. Mit der Annahme, die Seele sei ein blosses Accidenz des Körpers, meint er erstens, seien die Wirkungen und Leistungen, die wir an der Seele wahrnehmen, nicht wohl vereinbar. Sollte ein Accidenz die Quelle jener herrlichen Weisheit und Einsicht sein, die den Vorzug des Menschen bilden und ihn in den Stand setzen, sich zur höchsten sittlichen Vollkommenheit zu erheben? Sollte etwas, das selber gar kein substantielles Sein und bloss in einem Andern Bestand hat, mit der Kraft zur Entfaltung jener wunderbaren Thätigkeit, zur Verwirklichung jener grossen Zwecke ausgerüstet sein, um derentwillen der Mensch ins Dasein gesetzt worden ist?26). Ferner hält er die vorgetragenen Meinungen auch darum für durchaus verwerflich, weil ein Accidenz niemals Träger eines andern Accidenz sein könne, die Seele aber das Substrat zahlreicher Accidenzen sei, da wir von einer weisen und thörichten, von einer lautern und verderbten Seele reden, ihr Liebe und Hass, Wohlwollen und Zorn und andere Eigenschaften mehr zuschreiben. Darum sei es ausgeschlossen, sie als ein blosses Accidenz, als etwas, das an einem Andern haftet, anzusehen. Es folge vielmehr aus der Thatsache, dass sie Gegensätze in sich aufnimmt, dass sie etwas für sich Bestehendes, Substantielles27) sein müsse. 25י) Vielleicht wollte Saadia bloss sagen, dass wir die Seele ebenso wenig ohne Körper, wie die Accidenzen ohne Substrat wahrnehmen, dann aber ist seine Ausdrucksweise ungenau. 28J Mit dem gleichen Argument bekämpfen auch die lauteren Brüder die Ansicht, dass die Seele ein Accidenz sei, vgl. Dieterici a. a. O. S. 167: ״Wer kann glauben, dass die vernünftige, sinnbegabte, erfassende, wissende, fertigende, redende, erkennende und Ziele kundgebende Seele, welche die Zusammensetzung der Sphären, der Himmelsburgen, die Bewegungen der Sterne, die Natur der Elemente und Mischungen der zusammengesetzten Producte, Pflanzen, Thiere und Mineralien in Art und Unterart, in Nutzen und Schaden kennt, nur ein Accidenz oder eine aus der Mengung des Körpers hervorgehende Mischung sei, ohne dass er dafür einen Beweis oder deutliche Prüfung habe.״ 27) Dass ein Accidenz nicht Träger anderer Accidenzen sein könne, ist ein Grundsatz der Mutakallim, Moreh I, 73. IX, vgl. Guttmann a. a. O. S. 196 A. 3 und Schmiedl, welcher (Studien S. 135) bemerkt: ״Saadia schlägt diese Theorie durch ein kelamistisches Argument auf’s Haupt.“ Allein, wenn die An-