Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Sinne 22), die fünfte für ein Accidenz, erzeugt vom Blute 23). Saadia begnügt sich nicht mit einer Zurückweisung dieser Ansichten, sondern will auch den Gründen nachgehen, durch welche ihre Urheber zu ihnen gelangt sind. Was hat, fragt er, wenn wir von dem besonderen Inhalt dieser Ansichten absehen, und uns lediglich das ihnen Gemeinsame vor Augen halten, die Meinung von der Nicht-Substantialität der Seele erzeugt?24). Saadia will den Grund hierfür in der subtilen Natur des Seelenwesens finden. Der Umstand, dass dasselbe wegen seiner Feinheit nicht mit den Sinnen wahrgenommen werden könne, und lediglich aus seinen Wirkungen erkannt werde, hat dazu geführt, 22) Em. das. וקצתם חשבוה התקשר החושים, wofür es s. 96 ausführlicher heisst: התקשר החושים והסתבכם והפגשם. Diese Ansicht dürfte identisch sein mit der des pergamenischen Arztes Asklepiades, von dem Stobaeus a. a. O. berichtet, er habe die Seele als das Zusammenwirken der Sinne, au-ffünvaaiav tojv abfbjssojv, erklärt, oder wie Zeller (3) III, 1, S. 550 sich ausdrückt ״als das aus sämmtlichen Sinnen zusammengesetzte Ganze“. Es könnte nun fraglich scheinen, ob der Ausdruck התקשר sich auch vollständig mit 3u־f(uy.va3ia deckt. Allein glücklicher Weise hat sich die Ansicht des Asklepiades noch in anderer Fassung bei Cael. Aurel, de morb. acut. I. 14 (angeführt von Fabricius zu Sextus Empiricus adv. Math. VII, 380) erhalten: Asclepiades regnum animae aliqua parte constitutum negat. etenim nihil aliud esse dicit animam quam sensuum omnium c o e t u m, was mit der Ausdrucksweise Saadias genau übereinstimmt. 23) וקצתם סברו שהוא מקרה נולד מן הדם. Nach Aristoteles, de anima 405 b 5 erklärte Kritias das Blut als die Seele, doch ist an ihn hier nicht zu denken, da er das Blut materiell als die Seele betrachtete, seine Ansicht mithin mit der später aufzuführenden des Anan identisch sein dürfte. Darum ist hier wohl die Ansicht der Stoiker gemeint, welche zuweilen die Seele als Ausdünstung des Blutes, avaöou.»a31^ toü 0tW־oc, bezeichneten, vgl. Ps. Plut. V. Hom. C. 127: 7־jv ^׳jy^v 01 Ztu>ixoi o^tCovcoti ״:vsujxa aaucpjic xai dva9־up.(a21; a1a7־9׳jxtxyjv ävGncroiiivyjv a7i& tu>v sv tu> a0j>jL<ztt üypiov, Zeller (3) III, 1, S. 195 A. 2 und S. 196 ״Diesen Wärmestoff denken sich die Stoiker an das Blut gebunden“. 24) Saadia stellt diese Betrachtung an unmittelbar nachdem er die Theorie, die Seele sei ein Accidenz, ganz allgemein und abstract angeführt hat. Wir aber sind hierin von seiner Darstellung abgewichen und lassen seine Bemerkung auf die detaillirte Aufzählung der einzelnen Ansichten, die zur ersten Theorie gehören, folgen, wodurch das Bedenkliche der ganzen Fragestellung und Antwort Saadias hervortritt. Saadia giebt den Grund an, der zur Theorie, die Seele sei ein Accidenz, geführt hat. Allein eine solche Theorie existirt ja in Wirklichkeit in allgemeiner Form gar nicht, sondern jede einzelne der von ihm erwähnten Ansichten erklärt die Seele als ein Accidenz von ganz bestimmter besonderer Beschaffenheit. Zu diesen besonderen Ansichten aber können nicht allgemeine Gründe geführt haben. In der That lässt sich die Bemerkung Saadias ohne Ein- Schränkung vielleicht nur auf die zweite Ansicht beziehen, oder er wollte bloss sagen, welche Gründe haben von vornherein dazu geführt, die Seele negativ als etwas Nicht-Substantielles aufzufassen, um sie hinterher an der Hand der Erfahrung positiv als ein Accidenz von dieser oder jener Beschaffenheit zu bestimmen.