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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 17

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IRI
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Berechtigt ist daher, das Wort der Schrift: ״Wer weiss, ob (dass) der Geist der Menschen in die Höhe fährt, der Geist des Thieres aber in die Tiefe!“ (Kohelet 3,21.) Nicht etwa einen Zweifel an der Unsterblichkeit der Menschenseele will der Prediger mit diesen Worten ausdrücken. Er beabsichtigt vielmehr nur ihre absolute Gewissheit um so nachdrücklicher und schärfer hervorzuheben. Etwas Grosses sei es doch, meint die Schrift, um jene Wissenschaft von der Seele, um die richtige Einsicht, wodurch sich der Geist des Menschen von dem des Thieres unterscheidet, und glücklich zu preisen ist derjenige, der sich zu ihr emporgeschwungen hat, denn nur Wenige können sich ihrer rühmen15). Mit der subtilen Natur des Gegenstandes hängt es innig zusammen, dass auf dem Gebiete der Psychologie die Ansichten so weit auseinander gehen, und die hohe Bedeutung desselben macht bei der Behandlung der einschlägigen Fragen ausserordentliche Vorsicht zur ernstesten Pflicht. Erst dann darf zur Feststellung der richtigen Ansicht geschritten werden, wenn die verschiedenen, bisher über das Wesen der Seele vorgetragenen Theorien einer gründlichen Kritik unterzogen worden sind. Schon diese Aeusserungen Saadias lassen vermuthen, worauf sich sein Interesse hauptsächlich concentrirt und in welcher Richtung der Werth der Psychologie für ihn liegt. Den Mittelpunkt seiner Seelenlehre, welcher der sechste Abschnitt im Buche vom Glauben und Wissen gewidmet ist, bildet der Unsterblichkeitsglaube, auf dessen speculativer Begründung alle seine Erörterungen mittelbar oder unmittelbar hinzielen. Charakteristisch hierfür ist schon die Ueberschrift dieses Abschnittes, der von Saadia als ״Abhandlung über das Wesen der Seele, den Tod, und was damit zusammenhängt“ bezeichnet wird. In dem vorgezeichneten Rahmen bewegen sich auch thatsächlich alle seine Untersuchungen, in denen sämmtliche specielle Fragen über die Erscheinungen des Seelenlebens, über höhere und niedere Functionen und über Kräfte und Organe der Seele nur flüchtig gestreift werden* und zwar offenbar darum, weil sie für die eigentliche Aufgabe Saadias unwesentlich waren. Seiner Aufgabe gemäss beginnt Saadia seine Untersuchung mit der Frage nach dem Wesen und der Substanz der Seele16). In der Beantwortung dieser Frage gehen jedoch die Ansichten soweit auseinander, dass Saadia es für gerathen erachtet, einen grossen Theil derselben ganz bei Seite zu lassen und sich auf die An- 15) Saadia begründet in längerer Auseinandersetzung die Richtigkeit seiner Auffassung, worauf wir noch zurückkommen. 16) Em. s. 33: ותחלוז מה שראוי לחקור עליו עצם הנפש מה הוא.

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