Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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- 0 ~ selben sind so zahlreich, dass wir einzelne Stellen nicht hervorheben können und uns begnügen müssen auf die fortlaufenden Quellennachweise in der Darstellung Guttmanns hinzuweisen. Jedoch wahrt Saadia auch dem Aristoteles gegenüber seine Selbständigkeit und ist noch weit entfernt von jener unbedingten Verehrung, die spätere jüdische Aristoteliker diesem Philosophen zollen, der von den Arabern ״der erste Lehrer“ in der Philosophie genannt wurde. Nicht selten werden die Ansichten des Aristoteles, wie z. B. die Lehre vom fünften Element, von ihm bekämpft, und häufig zieht er die Meinung des Plato ohne Weiteres der des Aristoteles vor. Gleichwohl ist schon bei Saadia der Aristotelismus in einem so entschiedenen Uebergewicht gegen jede andere philosophische Richtung des Alterthums, dass man seine Philosophie als einen Eklekticismus bezeichnen kann, der sich zumeist an Aristoteles und den Kalam anlehnt. Bezeichnend für das eklektische Verfahren Saadias ist es, dass er beispielsweise bei der Frage, welche Kategorien auf Gott anwendbar seien, seinen Erörterungen die Aristotelischen Kategorien zu Grunde legt, was ihn jedoch bei einem anderen Anlass nicht hindert, in seinem Commentar zu den Sprüchen mit Plato gegen Aristoteles das Sein als oberste Gattung zu setzen13). Angesichts eines solchen Verfahrens ist die Eruirung der Quellen des Saadia ganz besonders schwierig. Jede seiner Aeusserungen muss daher für sich betrachtet und geprüft werden, ehe man sich für die Zurückführung derselben auf ein bestimmtes System entscheidet. Genau diesem Thatbestande entspricht auch sein Verfahren bei der Behandlung der psychologischen Probleme, zu welcher wir nunmehr übergehen. Auch hier durchkreuzen einander die verschiedensten Einflüsse; wir sehen Saadia hier denselben Standpunkt einnehmen und die gleiche Methode anwenden, die ihm sonst eigen ist, indem er keinem der bekannten Systeme unbedingt folgt, sondern sich von Fall zu Fall 13) Das biblische יש, Sprüche 8, 12, bezeichnet nach Saadia zur St. das Sein schlechthin und bildet einen Gegensatz zu אין. Der Ausdruck ist, wie Saadia erläuternd hinzufügt, darum gewählt, weil die Dinge in Individuen, Gattungen und Arten zerfallen, das Sein aber als oberste Gattung sie alle umfasst. Diese Auseinandersetzung erinnert an die Platonische Anschauung, während Aristoteles das Sein weder als Substanz, noch als Gattung aufgefasst wissen wollte, vgL Trendelenburg, Geschichte der Kategorienlehre, Berlin 1846, S. 65. Von einem Widerspruch mit seiner Auffassung in Emun. ist selbstverständlich keine Rede, da es Saadia in seinem Commentar zu den Spfüchen nicht um die Aufstellung einer Kategorientafel, sondern blos um die Erklärung eines biblischen Ausdrucks zu thun ist.