Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2720904-2720975--09-2724674
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Abgesehen von (fiesen äusseren Berührungspunkten in der Methode und in der Behandlung der gleichen Fragen, fehlt es nicht an sachlichen Uebereinstimmungen zwischen Saadia und dem Kalam in vielen Beziehungen. Wir beschränken uns auf die Hervorhebung der wichtigsten kalamistischen Lehrmeinungen, denen wir in gleicher Weise bei Saadia in den ersten zwei Abschnitten, die von der Schöpfung der Welt und der Einheit Gottes handeln, und bei Maimuni in der Darstellung des Systems der Mutakallim begegnen. Obgleich Maimuni vorzugsweise das zu seiner Zeit herrschende System der As arijja im Auge hatte, so enthält doch seine Darstellung viele Züge, die als. charakteristisch für den Kalam überhaupt gelten können, und wir gewinnen durch eine Vergleichung derselben mit den Anschauungen Saadias einen ungefähren Massstab, wie weit die Uebereinstimmung zwischen Saadia und dem Kalam reicht. Von den Prämissen, die Maimuni Moreh I, 73 anführt, lässt sich nicht blos die neunte mit Sicherheit bei Saadia nachweisen, es dürfte vielmehr auch die elfte dem vierten Schöpfungsbeweis Saadias zu Grunde liegen8). Ebenso scheinen der zweite und dritte Beweis bei 8) Wie sehr die Auffassungen in Betreff dieses Beweises von einander abweichen, kann man daraus ersehen, dass Guttmann a. a. O. S. 41 die Quelle für denselben nicht nachweisen zu können behauptet und lediglich vermuthet, dass der Ursprung desselben im Kalam zu suchen sei, dass Schmiedl (Studien, S. 100) denselben geradezu im Widerspruch findet mit einer der Grundanschauungen der Mutakallim, Kaufmann wiederum (Attributenlehre, S. 3 A. 5) ein Analogon für diesen Beweis bei Maimuni vermisst, jedoch einen Zusammenhang desselben mit der zehnten Prämisse im Moreh annimmt. Wir glauben, dass der vierte Beweis Saadias auf der elften Prämisse der Mutakallim beruht und mit ihrem zweiten Beweise bei Maimuni identisch ist. Der Beweis bei Saadia (Em. S. 18) lautet kurz: Angenommen, die Welt wäre ewig, so könnten wir, von einem beliebigen Punkte in der Zeit aufwärts steigend, nicht an ein Ende gelangen, da wir mit der Annahme der Weltewigkeit auch die Zeit unendlich setzen müssten. Denselben Weg aber hätte das Sein auch nicht in umgekehrter Richtung zurücklegen können, um bis zu uns zu gelangen. Das widerspricht aber der Wirklichkeit, da wir thatsächlich existiren, mithin ist auch die Zeit begrenzt und die Welt nicht ewig. Das heisst im Grunde genommen nichts Anderes, als dass ein Ding, das erst zur Existenz kommen soll, nachdem ihm eine unendliche Reihe von Dingen vorangegangen ist, in Wirklichkeit niemals in die Erscheinung treten kann. Diese Behauptnng aber deckt sich mit der von Maimuni angeführten elften Prämisse der Mutakallim, wonach auch eine unendliche Reihe von Dingen, die nicht neben einander existiren, sondern zeitlich auf einander folgen, unmöglich sei, was b eispiel weise der Fall sein müsste, wenn wir behaupteten, dass die Welt ewig und dass dem Individuum A eine unendliche Reihe von Vorfahren vorangegangen sei. Wie verhalten sich nun zu dieser Behauptung der Mutakallim die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.