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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1898-01-01 · 1898 · page 8

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720975--07-2724672
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2 dass der Einfluss der Mutakallim auf Saadia sich vor allem in formaler Beziehung geltend macht. Saadia bewegt sich ganz in den Geleisen derselben, was die Form seiner Darstellung und die Gliederung seines Systems betrifft, so dass die Behauptung, Saadia habe bei Abfassung seines philosophischen Hauptwerkes, seines Buches ״vom Glauben und Wissen״ (Kitab al-Amanat wa-l־I‘tikadat, heb. ם&ר האמונות והדעות) die in Kalamwerken beliebte Eintheilung sich zum Muster genommen, wohl begründet ist3). Es sind dieselben Probleme, welche in den Kreisen der Mutakallim erörtert wurden, denen wir auch bei Saadia begegnen, und auch seine Behandlungsweise erinnert lebhaft an die bei den Mutakallim übliche Methode. Viele Erörterungen, die uns bei Saadia wegen der Fragen, denen sie gewidmet sind4), befremdlich und auffallend erscheinen, werden uns nur unter diesem Gesichtspunkte verständlich und treten für uns erst dann in ihrer rechten Bedeutung hervor, wenn wir an die endlosen Streitigkeiten in den Schulen des Kalam denken, in denen ähnliche Fragen mit grossem Emst und haarspaltender Methode behandelt wurden5). Es ist hierbei nicht ausser Acht zu lassen, dass Saadia vor Allem das praktische Ziel im Auge hatte, seinen Glaubensgenossen, von denen Einige in mancherlei Irrthümer und Zweifel gestürzt waren, Andere sinnliche Vorstellungen vom Wesen Gottes hegten, geläutertere Anschauungen beizubringen und sie von ihren Irrthümern zu befreien. Darum musste er vor Allem auf die herrschende Richtung seiner Zeit, besonders auf die Meinungen, die in seiner nächsten Nähe gang und gäbe waren, Rücksicht nehmen und keiner Erörterung aus dem Wege gehen, die ihm geeignet schien, der Verbreitung gefährlicher Irrthümer Einhalt zu thun6). Keine Ansicht erschien ihm daher so absurd, dass er sie nicht einer 3) Frankel a. a. O. S. 18, Guttmann a. a. O. S. 80, M. Schreiner, der Kalam in der jüdischen Literatur, Berlin, 1895. S. 5. 4) Das gilt beispielsweise von den Ausführungen am Ende des zweiten Abschnittes, wo unter Anderem die Frage aufgeworfen wird, ob Gott das Gestern in ein Heute verwandeln kann, und wenn nicht, ob nicht dadurch der Allmacht Gottes eine Grenze gesetzt werde. Es kann Saadia mit einer solchen Frage nicht voller Ernst gewesen sein. Er scheint vielmehr nur dem Geschmacke und der Richtung seiner Zeit Rechnung getragen zu haben. 6) Vgl. Guttmann a. a. O. 6) So bemerkt Saadia ausdrücklich in seiner Polemik gegen die Anhänger der Seelenwanderung am Ende des sechsten Abschnitts (Em. S. 105 ed. Slucki, nach der ich immer citire), dass es lediglich äussere Rücksichten sind, die ihn veranlassen, sich eingehend mit dergleichen Ansichten zu befassen:!ואני מנשא דכרי מקלות דעתם וארוממם מפחיתותם לולא יראתי מן ההשאד♦

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