Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1897
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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des Märtyrerthums' schmückt, hat vielleicht noch die Gräuel der Hussitenkriege erlebt und ist während derselben um des Glaubens willen eines gewaltsamen Todes gestorben. Während hier unter dem gerechten und milden Scepter der Herzogin Agnes sich ein kräftiges Gemeinwesen zu schöner Blüthe entfaltete, wurde in der benachbarten Oberlausitz, die eine Zeit lang unterBolko II. mit demHerzogthum Schweidnitz vereinigt gewesen war und jetzt unter böhmischer Herrschaft stand, von der Obrigkeit selbst eine neue Anpflanzung, die soeben im Begriff* war feste Wurzel zu schlagen, mit roher Gewalt zertreten und verwüstet. Nach den Unruhen von 1349 hatten sich hier1) allmählich Juden in grösserer Anzahl wieder eingefunden. Ein Theil von ihnen scheint im Herzogthum Schweidnitz heimisch gewesen zu sein2). Die für die religiöse Praxis unentbehrlichen Einrichtungen, Synagoge, Frauenbad, Friedhof befanden sich wieder in ihrem Besitz3). Wie überall ernährte und bereicherte sie der Wucher, ohne dass sie, soviel wir wissen, jemals die durch die Landesgesetze und ihre Schutzbriefe gezogenen Schranken überschritten hätten. Mit dem Wohlstand nahm auch das Interesse für die nationalen Studien und für den weiteren Ausbau des Gemeindelebens zu. Ohne Zweifel zu gelehrten Zwecken schrieb hier 1387 Schalom Sachs4) den Commentar Raschi’s zum Pentateuch, den Megilloth und den Haftaroth ab. Ein Jahr später übergab Sara, eine reiche und fromme Jüdin, der Gemeinde ein Haus, mit der Bestimmung, es für ewige Zeiten zum Lehrhaus einzurichten 5). Die ewigen Zeiten sollten bald ein jähes Ende finden. Denn plötzlich, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, traf die Ahnungs- 1) Vgl. Knothe, zur G-escli. der Juden in der Oberlausitz (im Neuen Archiv für sächsishe Geschichte und Alterthumskunde, Bd. ID, S. 61—67. Bcheltz, Gesammt-Geschichte der Ober- und Niederlausitz (im Neuen Laus. Magazin, Bd. 57), S. 27. 88. 2) Knothe a. a. 0., S. 63. 3) Das. S. 61. 4) Die 27 חציי פזבת פם״ח. December 1387 vollendete Handschrift ist jetzt Eigenthum der Bodleiana in Oxford (vgl. Neubauer, Cat. No. 194 u. 300). Sie kam dorthin aus dem Nachlass Heimann Michaels in Hamburg, vgl. dessen אוצרות חיים s. 59, No. 693—695. 5) Das besagt ohne Zweifel die Notiz: ״Sara judinne hat aufgegeben ihr haus, das Smerlin gewest ist, Isag juden und danach gemeinlich allen Juden zu einer schule erplichenu. Von einem Versuch, die Liegenschaften durch Verzichtleistung an andere so gut als möglich zu sichern (Knothe, S. 62), scheint hier nicht die Rede zu sein.