Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1897
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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60 gehörte nicht selten ein besoldeter Hauslehrer1) für die heranwach־ sende Jugend. Aber auch die eigentlich gelehrten Studien fanden jetzt hier ihre Stätte. Wie draussen in der grossen Welt eben damals in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Aufschwünge des Handels und der Industrie das Interesse für gelehrte Studien erwachte und die ersten Universitäten im östlichen Europa zur Blüthe brachte, so führten in der Enge der Judenstadt die gleichen Vorgänge zu ähnlichen Wirkungen. Das erhöhte Geldbedürfniss der Handelsherren in Verbindung mit den gewiss sehr abgekürzten Leihfristen, auf welchen die Juden nach der neuen Verfassung bestehen mussten, beschleunigten ungemein den Umlauf der Baarmittel und vermehrten zusehends den Wohlstand der Kapitalisten2). Die überschüssige Zeit, die dem Landbau, dem Handwerk oder sonstiger gemeinnütziger Thätigkeit um keinen Preis gewidmet werden durfte, kam der Erforschung der Religionsquellen zu Gute, einer Beschäftigung, die bei ernstem Betrieb alle Geisteskräfte auch heute noch derartig in Anspruch nimmt, dass Noth und Sorge und Elend darüber vergessen werden. Die Leitung dieser Studien hatte der Bischof Isaak3), der von Liegnitz nach Breslau gekommen war, in Händen. Er scheint ein vermögender Mann gewesen zu sein und eine feste Besoldung aus der Gemeinde־ kasse nicht bezogen zu haben. In Streitsachen׳ der Gemeindemitglieder unter einander war er sicherlich die entscheidende Instanz4). Der 1j Solche hielten Chayine (?) (36), Isaak von Brieg (84) und Sehabdey von Neumarkt (147). Bei Arnold von Görlitz (19) lebte Israhel von Köln (95), und bei Smogelissa Pessac (134) als magister scole. Schon vor 1349 ernährten sich hier Isaac (90) und Jordan (73) als Schulmeister. 2) Vgl. die Nachweise oben am Ende v, Anm. 4, S. 42 ff. Uebrigens waren die königlichen und städtischen Steuern der Juden von 1352—1360 an ein Consortium verpachtet, an dessen Spitze Nicolaus von Sittin (vgl. über ihn cod. dipl. Sil. XI, S. 323 a) stand (O., No. 16, S 60). Die stark schwankende Höhe der Einnahmen — sie betrugen in den einzelnen Jahren hinter einander nur 90, 104, 75, 60, 22, 60, 62, 28, 38 Mk. — ist der Ausdruck der ab- und zunehmenden Präsenzziffer der Judenschaft während dieser Zeit. Die Anzahl der Steuerzahler für jedes Jahr genau festzustellen, sind wir nach der Beschaffenheit unseres Quellenmaterials nicht im Stande. Vgl. übrigens Oelsner, S. 27, n. 3. 3) Anh. HI, D, I, n. 86. 4) Das besagen zweifellos die in die Schutzbriefe aufgenommenen Zusagen: ״Wir globin ouch die vorgenanten juden . . . czu behalden by all!rem Judischin rechte und czu vorteydingen kein geistlichim gerichte, so wir haste kuunen odir mogin, gleich eyme unsir burger“ (Q. 57, No. 14. Im Kladdenb. 32 b ist übrigens der ganze Schutzbrief durchstrichen) und