Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1897
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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5t die Massen zur Verzweiflung trieben. Mit Angst und Sorge folgten die Juden den Ereignissen. Am 27. März 1349 meldet der Rath von Breslau dem Könige, dass die Juden für Leib und Leben fürchten. Kaum eine Woche später, am 2. April, wollten Uebelthäter in Neisse1) einen Juden zur Taufe zwingen. Der aber zündete in der Verzweiflung sein Haus an und stürzte sich mit den Seinen in die Flammen. Etwa vierzig Häuser sollen damals dem Feuer zum Opfer gefallen sein. Auch in Görlitz2) wurden die Juden beraubt, ob wirklich auch in Glatz3) und« Ober glogau4), steht nicht fest. Am schwersten aber wurde die Breslauer Gemeinde heimgesucht. Am Donnerstag vor Pfingsten (28. Mai) brach plötzlich eine Feuersbrunst aus. Wie und wo sie entstanden, ist unaufgeklärt geblieben. Im Getümmel erscholl der verhängnissvolle Ruf: ״Die Juden sind’s gewesen“. Es ist möglich, dass, wie der Rath acht Tage später an den König schrieb5), fremdes Gesindel, welches von den Geisseifehler für famam zu betrachten sei. Der Umstand aber, dass die fama communis in Wahrheit nicht der Anlass zum Breslauer Judenmord gewesen ist, widerstreitet keineswegs dem Bericht, dass sie die Veranlassung zu den Befürchtungen der Juden gewesen sein könne. In Schlesien konnte jene fama Unruhen gegen die Juden einfach darum nicht hervorrufen, weil der schwarze Tod erst dreizehn Jahre später hierher gekommen ist. 1) Grünhagen, Z. XVII, 86 nach der Museums-Handsehr. B., f. 69 des Kgl. Staatsarchivs. 2) Aus der Thatsache, dass Karl IV am 25. Juli 1350 ״die Synagoge der Juden sammt allem Zubehör, welche, wie bekannt, in diesen Tagen an unsere (des Kaisers) Kammer rechtmässig zugefallen ist“, dem Apotheker Conrad in Görlitz schenkte, folgt, dass die Juden damals bedrängt und zeitweise entfernt worden sein müssen (Neumann, S. 141. Knothe, im neuen sächs. Arch. II, 60. Die Urkunde im Oberlaus. Urk.־Verz. I, S 57, No. 284, das Detail über Görlitzer Juden aus dieser Zeit s. Anh. III, Abth. G., II; Abth. D. IV.) 8) Wedekind, Gesch. d. Grafsch. Glatz, S. 84. Grünhagen, XVII, 36, bringt die Nachricht nicht. Schon Höniger, S. 10, Anm. 1, bemerkt richtig, dass in der Grafschaft Glatz die geschäftliche Thätigkeit der Juden ununterbrochen fortdauerte. Vgl. das Detail Anh. HI, Abth. D, HI. 4) Schnurpfeil, Geschichte und Beschreibung der Stadt Oberglogau in Oberschi., S. 20. 5) O. 52. Grünhagen, Corresp. a. a. O. Korn, a. a. O., S. 170 ״quoniam judei feria 5 ante penthecosten per quosdam extraneos et exules et ignotos dominis consulibus occisi suntu. Grünhage ns Ausführungen (a. a. O. n. 5, vgl. Gesch. Schles. I, 204, Z. XVH, 35) gegen O. (S. 18 n. 7) sind hinfällig, seitdem Landsberger in der Zeitsehr. für Gesch. der Juden in Deutschi. V, 273 die Quelle für die Darstellung Stenzeis (Gesch. Schles. S. 290) nachgewiesen hat, nach welcher ״etzlich Burger und Myttewoner“