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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1897-01-01 · 1897 · page 11

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1897
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720977--10-2724603
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49 schreiben wollen, waren überzeugt, dass die Massregel des Königs, die wir heute zweifellos allesammt ohne Unterschied des Glaubens und der Abstammung als eine empörende Rohheit verabscheuen, menschlich und christlich war. Was die Juden gethan haben, um die Unthat abzuwenden, darüber schweigen unsere Quellen. Sicherlich werden sie gefastet und geweint haben, dass nun auch hier ״die ihnen heiligen Steine zum Schimpf und Hohn auf die Gassen geworfen seien1״). Vielleicht zogen sich die Verhandlungen über die Zurücknahme des Befehles bis zum Frühjahre hin, vielleicht ist die Summe, die man dieses mal forderte, für sie unerschwinglich gewesen2). In ihrer zeitgenössischen Litteratur hat jedenfalls die himmelschreiende Gewaltthat keine Spur zurückgelassen. Im Frühjahr, kurz vor Ostern, wurde die grausame Anordnung pünktlich ausgeführt. Selbst die frischesten Gräber wurden, wie die erhaltenen Inschriften3) bezeugen, nicht geschont. Wie reich die Beute war, ersieht man aus der Thatsache, dass etwa fünfzig Leute neun Tage lang zu thun hatten, um die Arbeit zu bewältigen4). Jetzt erkannten die Juden klar, dass sie rettungslos verloren seien. Selbst eine schleunige Flucht hätte die Katastrophe eher beschleunigt als verhindert. So nahte denn mit Riesenschritten das Verderben. Noch immer liefen die zehn Jahre, für welche jegliche Erhöhung ihrer Steuerquote unterbleiben sollte, noch war nicht mehr als die Hälfte der Zeit abgelaufen, für welche sie den [Königszins voraus erlegt hatten, als Karl IV seine Kammerknechte mit gebundenen dass die Nichterfüllung gegebener Zusagen mit der christlichen Moral nicht verträglich sei. In der That sind die wüstesten Ausschreitungen der theologischen Exegese doch nur ein wahres Kinderspiel im Vergleich zu dem Unheil, das die Auslegungskünste der Juristen und Diplomaten im Verlaufe der Weltgeschichte angerichtet haben. — Beiläufig ist die Missachtung Jüdischer Alterthümer im Laufe der letzten 500 Jahren keine geringere geworden. Das gleiche Loos, das die Breslauer Grabsteine 1345 erfahren, kam 1845 über die Erfurter Denkmäler. Am 4. September 1845 berichtet Zunz (Zur Gesch. u. Litt., Vorw., S. IV), dass vor wenigen Monaten ״an hundert jüdische Leichensteine in die Festungswerke von Erfurt eingesenkt worden sind“, und fügt hinzu: ״Möchten doch die Regierungen des civilisierten Europa hebräische Inschriften mit gleicher Humanität wie heidnische und jüdische Grabsteine nicht schlechter als Runensteine behandeln!u Die Mahnung scheint auch heute, nach abermals 50 Jahren, noch am Platze zu sein. ג) Zunz giebt a. a. O. S. 396 eine Zusammenstellung von Friedhofs- Plünderungen. 2) Vgl. z. B. Isserlein, RGA. 284. ®) S. Anhang S. XU. 4) Vgl. O., S. 12 und die urkundlichen Nachweise das. S. 50.

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