Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1897
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Brzeg 1× ep/1044274
- Głogów 1× ep/1047915
- Legnica 1× ep/1045053
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44 Jede irgend bedeutende schlesische Stadt suchte darum mit grossen Opfern die Vogteirechte und damit die Befugniss, für alle ihre Einwahner in demselben Umfange, in welchem es bisher der Landes־ herr gethan hatte, das Recht selbständig zu handhaben, im Ganzen oder in Antheilen käuflich an sich zu bringen. Im vierzehnten Jahr־ hundert besassen und erwarben diese Rechte Breslau, Brieg, Frankenstein, Glatz, Glogau, Görlitz, Grottkau, Haynau, Hirschberg, Jauer, Lähn, Liegnitz, Löwenberg, Münster־ berg, Öhlau, Reichenbach, Schweidnitz und Striegau1), lauter Städte, in welchen in jenen Tagen, wie wir bereits wissen2), mehr oder minder grosse Judengemeinden angesiedelt waren. Und gerade die Juden hatten alle Veranlassung, dem Gang der Ereignisse nach dieser Richtung hin mit steigender Besorgniss zu folgen. Denn für sie bedeutete der entschiedene Fortschritt der städtischen Gemein־ Wesen auf der Bahn zu vollkommener Selbstverwaltung ganz zweifellos den Anfang des Endes ihrer eigenen Rechtssicherheit. Zwar hafte der Rath mit dem Erwerb der Vogteirechte grund־ sätzlich keineswegs die Rechtshoheit auch über diejenigen Stadt־ bewohner, denen ein besonderer Gerichtsstand zukam, gewonnen. Wenn wir aber sehen, dass er straflos sogar Adlige vor sein Forum zu ziehen sich erkühnen durfte3), welche Aussicht auf Erfolg konnten die Juden haben, selbst wenn sie es gewagt hätten, die Hilfe ihrer Schutzherren anzurufen? Freilich Hessen sie es auch ihrerseits an Geldopfem nicht fehlen4). Allein was sie beim König durchsetzten, war nur ein schwächUcher Ausgleich zwischen ihren von Alters her verbrieften Rechten und den Ansprüchen des Magistrats. Der König jährlich 821 Mk. Zinsen fast nur an Juden zu zahlen (Stenzei, Geschichte Schles. S. 250 ff.). In demselben Jahre erhalten die Juden auf alte Schulden 485 Mk. (Henr. P., S. 84) und hat die Stadt Einnahmen de areis judeorum venditis (das. 88, O. 62). 1856 werden 50 Mk. auf alte Schulden an die Juden abgezahlt (Henr. P., S. 86), 1357 ebenso 395 Mk. (S. 88). Vgl. zu den letzteren Daten die Angaben bei Stobbe, S. 236, die in einigen Kleinigkeiten hiernach zu berichtigen und zu ergänzen sind. *) Tzschoppe und Stenzei, 244. Grünhagen, Gesch. Schlesiens!; 154. Knothe, Urkundliche Grundlagen zu einer Rechtsgesch. der Ober- Lausitz von der ältesten Zeit bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts im ״Neuen Lausjtzischen Magazin“, Bd. 53, S. 209. a) Oben S. 25 f. 3) Grünhagen, a. a. O. S. 155. 4) Wenn wir im Einzelnen auch nur über die Breslauer Ereignisse unterrichtet sind, so wird man doch, ohne sehr fehl zu gehen, annehmen dürfen, dass von den hiesigen Verhältnissen diejenigen in den übrigen Landschäften nicht wesentlich verschieden waren.