Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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Anhang II Die hebräischen Grabschriften schlesischer Juden aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Dass nur äusserst dürftige Reste der überaus zahlreichen hebräischen Grabschriften, die es im 13. und 14. Jahrhundert in Schlesien gegeben hat, auf uns gekommen sind, ist bereits im Text (S. 33) ausgeführt. Wie allgemein verbreitet aber die Sitte gewesen ist, die heimgegangenen Angehörigen durch die Errichtung von Grabdenkmälern zu ehren, lässt sich aus der einen Thatsache ermessen, dass mehr als fünfzig Arbeiter ausser den Fuhrleuten neun Tage lang zu thun hatten, um die Leichensteine, die König Johann der Stadt Breslau am 27. September 1345 zur Ausbesserung ihrer Mauern geschenkt hatte, an den neuen Bestimmungsplatz zu befördern. Das gleiche Loos wie die Breslauer hatten kurz vorher (12. April 1345) die Liegnitz er Grabsteine1). Von diesen Denkmälern ist, so viel bis jetzt bekannt geworden ist, keines mehr zum Vorschein gekommen. Anders ging es in Breslau. Hier wurden 1716 zwei2) und 1799 drei3) und im Jahre 1848 in einem Gewölbe des Rathhauses sechzehn4) Grabsteine, unter denen sich auch die damals wieder verscharrten Denkmäler von 1716 und 1799 befanden, aufgefunden. Sie theilten, wie Sal. Nissen geistvoll bemerkt, das tragische Loos der vom Propheten Ezechiel belebten Todtengebeine. Wie diese nach der talmudischen Legende5) sich erhoben, dem Schöpfer ihr Lied sangen und wieder der Vernichtung anheimfielen, so auch jene Steine. Kaum war durch den genannten Gelehrten eine Abschrift angefertigt, als sie durch eine missverstandene Instruction des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde, dem sie als ein Alterthum von hohem Werth, vom Magistrat geschenkt worden waren, von Arbeitern auf dem alten jüdischen Friedhof (am Fränckelplatz) zerschlagen und 1J Schirrmacher, Urkundenbuch der Stadt Liegnitz, S. 100, No. 138. 2) Vgl. meine Notiz in der MS. 1882, S. 379 f. 3) Markgraf im Feuilleton der Breslauer Zeitung vom 9. Februar 1S90. 4) Liebermann’s Deutscher Volkskalender und Jahrbuch, insbesondere zum Gebrauch für Israeliten, Jahrg. 1856, S. 22 ff. ß) Sanhedr. 92 b.