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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1896-01-01 · 1896 · page 43

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1896
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720979--42-2724564
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39 die Juden aus, obwohl sie ohne Zweifel unter dem Hunger gerade so wie andere Menschen litten. Und als wenige Monate später die Stadt fast zur Hälfte abbrannte, schob man die Schuld an der Feuersbrunst auf die angebliche Rachgier der soeben ausgetriebenen Juden. Kurz es war damals bereits so weit, dass es nichts Böses zwischen Himmel und Erde gab, dessen Eintritt nicht den Juden zur Last gelegt worden wäre. Die krankhaft überreizte Spannung scheint übrigens bald nachgelassen zu haben. Denn schon zwei Jahre später verzeichnet der Rath von Neuem Einnahmen aus Judensteuern, die zwar Anfangs1) recht niedrig waren, bald aber wieder den früheren Durchschnitt erreichten und theilweise sogar überschritten2). Das aber war verhältnissmässig gleichgültig im Vergleich zu der schlimmen und traurigen Erfahrung, dass weder bei der Austreibung aus Breslau noch bei der Verfolgung in Brieg, die fünf Jahre später wegen Wuchers stattfand3), sich irgend eine Hand am herzoglichen Hofe für sie rührte. Dass sie den Herzog an seine Schutzpflicht nicht erinnert und ihn um Hilfe und Rettung nicht angefleht haben sollten, ist so gut wie ausgeschlossen. Aber weder der Herzog noch einer seiner Beamten trat für sie in die Schranken. Diese unverantwortliche Pflichtvergessenheit hatte ihren nächsten Grund in der Thatsache, dass die herzogliche Macht durch die stetig zunehmende Kleinstaaterei nachgerade zu einem Schatten zusammengeschrumpft war. Die zahlreichen Theilfursten deren Fehdelust in der Regel in umgekehrtem Verhältniss zu ihren materiellen Mitteln stand, und die zu schwach waren, um sich selber, geschweige denn ihre Unterthanen zu schützen, mussten bald die leichte Beute gewandter und staatskluger Nachbarn werden, welche die inneren Angelegenheiten dieser Zwerg- Staaten im eigenen Interesse auszunutzen verstanden. Hier zeigte König Johann von Böhmen die überlegene Kraft seines reichbegabten Geistes und seines eisernen Willens. Er verstand es durch Klugheit, Umsicht und Kühnheit in wenigen Jahren ganz Nieder- und Oberschlesien, mit einziger Ausnahme der Herzog- ג) Sie betrugen z. B. 1321 u. 1322 je sechs Mark, 1323 bereits zweiundzwanzig Mark (Henr. Paup. S. 48. 49). 2) Im Jahre 1326 zahlten die Juden 165 Mk. (Henr. Paup. S. 52); vgl. für die späteren Jahre den Auszug bei Stobbe, S. 29. B) Schönwälder, Gesch. der Stadtund des Fürstenthums Brieg III, 364.

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