Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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gnädige Rücksicht, die ihnen denn auch im Hinblick auf ihre oft und wahrscheinlich auch dieses Mal1) bewährte und zu bewährende Opferwilligkeit zu Theil geworden ist. Sie kamen mit der Last davon, den Begräbnissplatz mit einem Plankenzaun umgeben und das Steinpflaster der angrenzenden Walonengasse (jetzt Klosterstrasse) bis zur Mitte der Strasse unterhalten zu müssen und erhielten dafür auch seitens des Rathes die Steuerfreiheit und Unverletzlichkeit des Grundstücks zugesichert. Wie man den Ungläubigen auch in diesem Punkte die verbriefte Treue hielt, sollten sie dreissig Jahre später erfahren. Vorläufig freilich blieben ihr Leben und ihr Eigenthum wenigstens so lange unbedroht, als nicht aussergewöhnliche Vor־ gänge das politische und wirthschaftliche Leben‘ beunruhigten. In solchen friedlichen Zeiten gingen sie ruhig ihren Geschäften nach und lebten von dem Zinserträge der Darlehen, die Hand* werker und Kaufleute, Adelige, Städte und Landesfürsten bei ihnen aufnahmen. Der Zinsfuss war dabei lange nicht so unerschwinglich hoch, wie man gemeinhin anzunehmen geneigt wäre2). Im dreizehnten Jahrhundert zahlte man auf Immobilien *) Im Eingang der betreffenden Urkunde heisst es u A : ״ . . . nos vero prefati consules . . . judeos impetivimus prenotatos . . . qui se nostre gracie ob emendam talium excessuum subiecerunt noncoacti sedspontena voluntate suplicantes, ut cum ipsis gracialiter ageremus. Nos siquidem eorundem judeorum fidelia et continua seruicia atque beneficia creberrime impensa et adhuc in futurum i mp enden da [considerantes] predictorum judeorum precibus benivole inclinati accedente bona voluntate nostrorum seniorum juratorum cet. . . Wer in die einschlägige Litteratur des 14. Jahrhunderts eingelesen ist, weiss. dass diese gracia des Ratlies und der bona voluntas der Schöffen die Juden ein schweres Stück Geld gekostet haben wird. Vgl. zum Ueberfluss Stobbe, S. 85. 2) Vgl. die gründlichen und vorsichtigen Untersuchungen F. F ri e d e n s - burgs in ״Schlesiens Münzgeschichte“, Th. II (cod dipl. Sil. XIII), S. 30. 69. 70. Hier sei zugleich angemerkt, dass es jüdische Münzmeister, wie es dgl. in Grosspolen gab, in Schlesien nie gegeben hat (das. 88). Die Münze, No. 529 in den Tafeln zu Bd. XII des cod. dipl. Sil. zeigt in der Inschrift zwar sonderbare Charactere, keineswegs aber, wie bereits Friedensburg richtig bemerkt, ר oder ק oder andere hebr. Buchstaben (das. 161'. Ebensowenig haben die Judenbartheller mit Juden, die etwa schlechte Münzen geschlagen und verbreitet hätten, (das. 172) etwas zu theilen. Es ist bisher überhaupt nur ein einziger schlesischer Jude bekannt geworden, der zu unsauberen Münzmanipulationen der Herzoge in unmittelbarer Beziehung steht. Das ist im Jahre 1517 der Jude Markwart, der vom Herzog Valentin von Jägerndorf und Ratibor (XII, 18) zur Verbreitung der von diesem Herzog geprägten falschen Münzen missbraucht wurde (a. a. 0., S 307).