Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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8 bei der Einweihung der Kirche in Rosenberg in Oberschlesien die alte Zollordnung dieses Ortes, durch den damals eine Handelsstrasse von Mähren nach Kujavien ging, mit seinem Banne. Danach konnten Personen, die ohne Waaren kamen, frei passieren. Juden aber wurden, wenn sie Waaren brachten, gleich den Christen, und wenn sie ohne Waaren friedlich ihre Strasse zogen, gleich den vorbeigetriebenen Sklaven, als’ob sie selber Waaren wären, mit einem Zoll belegt1). Nicht ganz so unerhört, wenn auch nicht minder unbillig war die Forderung der Zehntabgabe an die Kirche, mit welcher ein Jahr später auf Grund des Schiedsrichterliehen Vergleichs zwischen dem Herzog Heinrich I. und dem Bischof Lorenz die jüdischen Grundbesitzer in der Gegend von Beuthen a. O. belastet wurden2). Man sieht aus diesen Thatsachen bereits zur Genüge, wie sich das öffentliche Rechtsbewusstsein durch religiöse Vorurtheile allmählichzu Ungunsten der Juden zu trüben oegann. Mit allen ihren Forderungen nach dieser Richtung hin in aller Schärfe hervorzutreten sah sich die schlesische Kirche erst vierzig Jahre später veranlasst. Im Laufe dieser vierzig Jahre trat nämlich ein ungeahnter Umschwung aller Lebensverhältnisse in Schlesien ein. Immer zahlreicher stömten deutsche Ansiedler, bald vom Landesherrn, bald vom Bischof und Domkapitel, bald von den deutschen Stiftern herbeigerufen, ins Land. Durch ihren Fleiss lichteten sich die dichten Waldungen, verwandelten sich Sümpfe in üppiges Wiesenland und mehrte sich überraschend schnell das fruchttragende Ackerland. Neben den bisherigen elenden slavischen Ortschaften erblühten neu angelegte deutsche Städte3) als den frischen Glaubenseifer der Dominikaner begründen, die eben damals (1. Mai 1226) in Breslau festen Fuss fassten (Grünhagen, Reg. BO), was mir immerhin etwas dürftig erscheint. Ygl. Grünhagen, Reg. I2, 156 (wo 124 statt 105 zu lesen ist) und Aronius, Reg 435. Ueber Pol vgl. Palm in der Z. VI, 319. ג) Aronius, Reg. 436. Stobbe, S. 40, 216 erblickt in dieser Massregel mit Recht die erste Spur des den Juden auferlegten Leibzolles, hervorgegangen aus dem Geleitsgeld, das für besondere Sicherheit von Christen und Jaden auf ihren Antrag bezahlt wurde, bald aber von den Juden zwangsweise auf allen Reisen erhoben wurde. 2) Aronius, Reg424 ־ vgl. 395 und unten S. 13. 3) Unter Heinrich I (I, 11) entstanden ausser Breslau die Städte Neumarkt, Löwenberg, Goldberg, Naumburg a. Q., Neisse, Steinau a. 0, Guhrau, Ohlau, Oppeln, Ratibor, Steinau 0/S. und Leschnitz, und allein unter Heinrich III (I, 29) wurden in 25 Jahren angelegt Trebnitz (1241).