Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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5 einfall überhaupt Handelsgeschäften gewidmet haben1), müssen wir die Antwort schuldig bleiben. Um 11502) waren Juden die Besitzer des Dorfes Kl. Tinz3) und erlebten es vielleicht noch, wie die ersten Deutschen unter Boleslaus (I, 2) dem Langen4) (1163) als Ansiedler ins Land gezogen kamen5). Noch näher bei Breslau sassen um das Jahr 1200 Joseph und Chazkel, die ersten schlesischen Juden, die wir mit Namen kennen lernen Ihnen gehörte das Falknerdorf (Zocolnici)6), dessen Grund und Boden!) Die einzige einschlägige Nachricht, die auf Schlesien Bezug hat, stammt aus dem Jahre 1190. Als damals Boleslaus altus (I, 2) Bunzlau zur Stadt erhob und die Einwohner die Mauer vom Oberthor bis zum Nicolaithor hauten, sollen sie das nöthige Geld von Juden geliehen und diesen hernach eine eigene Gasse und Synagoge angewiesen haben (Litteratur bei Grünhagen, Reg. I2, S. 53). Allein zunächst ist in dem Bericht selber ein Anhaltspunkt dafür, dass schlesische Juden die Darlehnsgeber gewesen seien, nicht vorhanden. Dazu kommt, dass Wernicke, der beste Kenner der Bunzlauer Localgeschichte, in seiner Chronik der Stadt Bunzlau (S. 125) weder bestätigen, noch verneinen zu können glaubt, ob im Mittelalter überhaupt je Juden in Bunzlau ansässig gewesen sind, da die Quellen, die von ihrem Vorhandensein berichten, nicht unverdächtig seien und ihm urkundliche Zeugnisse darüber nicht zu Gesichte gekommen seien. Die Mittheilung, die er einem jüdischen Cultusbeamten verdankt (S. 605, Anm.), dass es in Bunzlau eine alte Judengemeinde gegeben habe, die 1454 bei der Judenverfolgung durch Capistrano aufgelöst worden sei, ist ohne Zweifel völlig aus der Luft gegriffen. בומסל u. בומסלא in der jüdischen Litteratur ist daher, soweit ich bis jetzt übersehen kann, stets Jungbunzlau in Böhmen. Die Nachricht aus dem Jahre 1190 fehlt übrigens bei Aronius. 2) Die Stelle des Urkundenfragments lautet: ״Villam Tinech emit comes Petrus a Judeis et dedit sancte Marie pertinencia ad montem.“ Die Urkunde selber setzt Häusler (Urkundensammlung zur Geschichte des Fürstenthums Oels, S. 10, No. 5, Anm.), und zwar wie mir scheint, mitRecht in die Zeit vor den 9. April 1193. Für die Datirung in unserem Text kann jedoch nur der Tod des Grafen Peter Wlast, der den Juden das Gut abgekauft hat, zum Ausgangspunkt dienen. Peter Wlast aber starb im Jahre 1153 (Grünhagen, Gesch. I, 30), am 22. April (Grünhagen, Reg. I2, S. 37). Darnach ist Aronius No. 361, der die Thatsache unter 1203 bringt, zu berichtigen. 3) Dorf, etwa 13 km südwestlich von Breslau. 4) Die Ziffern hinter den Namen der schlesischen Fürsten weisen auf Grotefend, Stammtafeln der sehles. Fürsten, 2. Aufl , Breslau 1889, 4 hin. 5) Grünhagen, Gesch. I, 364. 375. 408 6) Aronius, Reg. 360. 364. 375. 408. Zur Litteratur ist hinzuzufügen Oelsner, Schles. Juden im Mittelalter, S 6 f. Grünhagen, Gesch. Schles. I, 77. Für die Annahme, dass die Juden nicht die Grundstücke, sondern nur die herzoglichen Abgaben von denselben besessen hätten (Landsberger in der MS. XXXIL 545 und Aronius, Reg. 360), ist in den Urkunden ein Anhalts-