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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1896-01-01 · 1896 · page 8

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1896
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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IRI
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4 ohne freilich vorläufig־ im Stande zu sein, einen nachhaltigen Aufschwung der nationalen Studien herbeizuführen, der irgendwie der Blüthe des Talmudstudiums in Polen seit dem fünfzehnten Jahrhundert an die Seite zu setzen wäre. Wie wir aus den erhaltenen Resten ihrer Schriften sehen, war in jener Zeit ihre Umgangssprache überall, selbst in der Lausitz1) an der äussersten Westgrenze des Slavenlandes, slavisch. Dass aber das religiöse Wissen eine weitere Verbreitung nicht fand, lag zuvörderst daran, dass die Gemeinden viel zu klein und zu arm und die Mittel zu gering waren, die sie für den Kultus und den Unterricht aufzuwenden hatten. In der Regel mussten in diesen Zwerggemeinden die Geschäfte des Rabbiners, Jugendlehrers und Vorbeters, wie um 1200 ein Gelehrter2) meldet, von einer und derselben Person wahrgenommen werden. Ganz diesem Bilde entsprachen ohne Zweifel die ältesten jüdischen Ansiedlungen in Schlesien, über die wir urkundliche Nachrichten besitzen. Es ist möglich und wahrscheinlich, dass jüdischer Zuzug, zunächst wohl aus Böhmen, vor dem Fanatismus der Kreuzfahrer3) hier eine Zuflucht suchte und fand. Harmlos und friedlich lebten die Ankömmlinge mit den Glaubensgenossen, die sie etwa vorfanden, neben den slavischen Ureinwohnern in dem noch wenig kultivierten Lande. Von den staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Beschränkungen des späteren Mittelalters ist noch keine Spur bemerkbar. Es fehlte in den einfachen Verhältnissen auch an jedem Anlass dazu. Ein Widerstreit nationaler Gegensätze war hier auf Jahrhunderte hinaus noch unbekannt, und an eine gefährliehen Brotneid etwaiger Krämer und Handwerker, die den jüdischen Wettbewerb hassten und verfolgten, war hier noch lange nicht zu denken. So waren die Juden ungestört Grundbesitzer und Ackerbauer, und auf die Frage, ob sie sich vor dem Mongolen- 1890, S 17, No. 4. Die von Güdemann a. a. 0. III, 75 ff. gebilligte Combination Kaufmann’s über die phonetische Anwendung desselben Ausdrucks (בד חת) bleibt dabei bestehen. x) Ygl. Steinschneider, H. B., XI, 57. Pulcer rivus müsste dann das wendische Dorf Schönbach bei Camenz in Sachsen sein. 2) R. Elieser b. Jehuda aus Böhmen in einem Schreiben an R. Jehuda ha־Chassid, vgl. oben S. 3, Anm. 3. 3) Cosmas Prag., MG. SS. IX, 104. Aronius, Reg. 306. Werthheimer und Wattenbach haben ohne Zweifel Recht, vgl. Hebr. Ber. über die Juden- Verfolgung während der Kreuzzüge, S. 25, 46.

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