Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2720904-2720979--04-2724526- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Erster Abschnitt. Die ersten Ansiedelungen der Juden in Schlesien und deren Vernichtung. 1. Kapitel. Die Anfänge (bis 1201). Die fruchtbaren Landschaften östlich und westlich von der oberen Oder treten erst gegen Ende des ersten nachchristlichen [ahrtausends allmählich in das helle Licht der Geschichte. Nach langwierigen, blutigen Fehden zwischen den böhmischen und polnischen Herzogen behielten schliesslich die Polen endgültig die Oberhand. Mit dem Eintritt in das Christenthum legte der Polenherzog Mesko I (966) den Grund zum Anschluss des fernen Ostens an die europäische Kultur. Freilich verging noch manches Jahrzehnt, bis Friede, Recht und Ordnung hier ihre Heimstätte fanden. Noch ums Jahr 1000 versichert ein Augenzeuge1), dass das Volk, welches hier wohne, wie Ochsen und faule Esel in Zucht gehalten werden müsse, dass nur durch harte Strafen die Masse gezügelt und das Wohl der Fürsten erhalten werden könne. Wer in den Fasten Fleisch isst, sagt er, dem werden die Zähne ausgebrochen, denn besser als durch die Fastenbriefe des Bischofs werde die erst jüngst angepflanzte christliche Religion durch dergleichen Zwangsmittel erhalten und befestigt. Ob bereits damals in jenen friedlosen Zeiten jüdische Ansiedler hier im slavischen Westen sassen, ob sie später, und wann 0 Populus enim suus more bovis est pascendus et tardi ritu asini eastigandus, et sine poena gravi non potest cum salute principis tractari .et quicunque post septuagesimam carnem manducasse invenitur, abscissis dentibus graviter punitur. Lex nainque divina in bis regionibus noviter exorta potestate tali melius quam jejunio ab episcopis instituto corroboratur (Thietmar, VIII, 2. MG. SS. III, 861).