Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1892-01-01 · 1892 · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1892
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2720904-2720987--14-2724301
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

die sie dafür gehalten haben, die selbstverständlich begütert waren, Raub, Erpressung und Schädigung des Vermögens geübt, und dass die Landpfleger, namentlich die beiden letzten, Albinius und Gessius Florus, die Augen dabei zugedrückt haben, um Halb״״ part an der Beute zu haben. Aber so arg wird es wohl nicht gewesen sein. Die ״Räubereien“, wie sie Josephus nennt, haben gewiss nicht diesen Umfang gehabt, dass ganze Tagereisen dadurch entvölkert worden sind, noch haben sämmtliche Sikärier, d. h. Ultra-Zeloten, solche Gewalttätigkeiten ausgeübt. Menahem, der Sohn des Zelotenstifters Juda des Gauloniten, der die Festung Masada an dem todten Meere erobert, um in Jerusalem die römische Besatzung zur Capitulation zu zwingen, wiewohl Josephus ihn als Räuberhauptmann brandmarkt, war gewiss nicht ein Räuber. Ebenso wenig war Eleasar ben Jair, ebenfalls ein Nachkomme des Zelotenstifters, ein Räuber, der mit bewunderungswürdigem Todesmuth die letzte Festung Masada gegen die römischen Be״ lagerer verteidigte, zuletzt sich selbst den Tod gab .und die Be- Satzung, 940 Personen, Männer, Weiber und Kinder, dahin brachte, freiwillig zu sterben. Das Körnchen Wahrheit wird wohl sein, dass eine Bande Sikärier, der Abschaum der Partei, den politisehen Paroxysmus für die Befreiung vom römischem Joche benutzt hat, um egoistische Vorteile zu ziehen. Eine solche Bande hat sich wohl Räubereien und Erpressungen zu Schulden kommen lassen. Wie weit ging nun die Räuberei solcher Sikärier? Josephus macht viele Worte davon, ohne eine fassbare Vorstellung davon zu geben. In einem Atemzuge schildert er ihre Untaten, dass sie die Römerfreunde mit dem Tode bedroht, um sie sur Erlangung der Freiheit zu zwingen, und dass sie deren Häuser beraubt hätten. Man vermisst den Zusammenhang dieser zwei verschiedenen Gewaltthaten. Einige gelegentliche Notizen in der talmudischen Literatur geben indess an die Hand, dass Sikärier tatsächlich Erpressungen geübt haben, d. h. sie haben durch Androhung von Tod und Verderben auch Feldeigenthümer gezwungen, ihnen Grundstücke scheinbar freiwillig abzutreten. Ein Passus nennt geradezu Landerpresser Sikärier. Bei Gelegenheit, wo angegeben ist, dass solche, die nicht Erbeigenthümer sind, nicht verpflichtet seien, die Erstlinge von ihren Feldfrüchten in den Tempel zu bringen, werden neben Räubern, d. h. solchen, welche sich illegal in Besitz von Feldstücken gesetzt haben, auch Sikärier genannt, mit der Bemerkung, dass solche nicht dazu verpflichtet sind, oder dass auch von solchen die Erstlinge nicht angenommen werden1). Der -) Tr. Bikkurim 1, 2. (האריבץ והחכורות והסקריקון והגזלן אין מביאץ (בכורים מאותו הפועם Auch; das. 11, 3•

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.