Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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doch Jedenfalls aut einen unsichem Zustand ,des Eigenthums auch in dieser Zeit hin. Und wer anders als die Sikarier konnten diese Unsicherheit herbeigefiihrt haben? Es fehlt in der That [keineswegs] an quellenmässigen Andeutungen, dass die Sikarier, welche das Leben der Römlinge gefährdet haben, sich auch an dem Eigenthum derselben vergriffen haben. An einer Stelle berichtet Josephus nämlich von den Sikariern, dass sie nicht blos bei grossen Volksversammlungen zu Festeszeiten heimliche Mordthaten mit ihrer sica begangen haben, sondern dass sie imLande umhergestreift wären. Viele zum Abfall von denRömern lind zum Kampfe für die Freiheit angestachelt hätten, indem sie, ihrem Principe treu, laut erklärt hätten, die sich freiwillig der Unterthänigkeit fügten, müssten gezwungen werden, für die Befreiung einzutreten. Sie hätten diejenigen, welche sich der römisehen Oberhoheit fügten, mit dem Tode bedroht, und die Häuser der Vermögenden geplündert, diese auch umgebracht und ihre Liegenschaften verbrannt1). Bei der Schilderung der rücksichtslosen Gewaltacte des letzten Landpflegers Gessius Florus belegt Josephus das Uebermass seiner Verworfenheit mit dem Zuge, dass or mit den Sikariern gemeinschaftliche Sache gemacht und die Beute mit ihnen getheilt habe. In Folge dieses unerträglichen Zustandes waren unglückliche Judäer gezwungen gewesen, ihre Lebensgewohnheiten aufzugeben und nach fremden Ländern auszuwandern2 3). Im jüdischen Kriege erzählt Josephus dasselbe: dass manche Landstriche entvölkert wären, weil die Einwohner ausgewandert waren 3). Dabei erwähnt er zwar nicht direct die Betheiligung der Sikarier an diesen Gewaltthätigkeiten, aber er deutet sie an, indem er vorausgehend schildert: es fehle nur noch, dass Florus hätte öffentlich ausrufen lassen, dass es Jedermann ׳gestattet sei zu rauben, wenn er nur einen Theil des Raubes erhielte. Gewiss, diese Schilderung ist wohl übertrieben, wenn nicht gar parteiisch dargestellt, denn Josephus legte es in seinen Schriften darauf an, den Römern die Ueberzeugung beizubringen, dass der!erste Anstoss zur Empörung und der Krieg der Judäer gegen die!Römer nicht vom Volke im Allgemeinen ausging, sondern durch die Frechheit der Landpfleger und der Sikarier verursacht worden ist. Nur ein Kern thatsächHcher Wahrheit mag der Schilderung zu Grunde liegen, dass Sikarier an Römerfreunden oder solchen, 1) B. Jud., II, 13,6. *) Aut. XX, 11,1. 3 } B. Jud., II, 14,2.