Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
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7 Adresse der B*eslauer Gemeinde: - ״Hochverehrter Herr Professor! An dem Tage, an welchem Sie eine nur wenigen Sterblichen vergönnte Altersschwelle unter Gottes Beistand rüstig und geistesfrisch überschreiten, beglückwünschen Sie die Unterzeichneten Vertreter der Religionsgemein- Schaft, welcher Sie nicht blos durch Ihre Geburt, sondern durch ein langes, an Arbeit und Opfern reiches Leben zugehören, der Sie in Ihrem Werke ein ehernes Denkmal gesetzt, mit welcher Sie Ihr ganzes Empfinden undDenken, wie mit der Seele einer Mutter verbindet Ein Lehrer im Dienste unserer Religion, ein Forscher auf dem gemeinsamen Gebiete menschlichen Wissens, ein treuer Bürger dieser Stadt, hat Ihr Name die wissenschaftliche Welt mit seinem Klange erfüllt und damit auch die Gemeinde geehrt, der Sie angehören. Indem Sie die Geschichte des jüdischen Volkes auf seinem tausendjährigen Schmerzenswege mit dem warmen Herzblute des Sohnes schrieben, haben Sie mit der Gründlichkeit und Unerschrockenheit des deutschen Gelehrten den reichen Antheil dargelegt, welcher dem Judenthum an der Culturarbeit des Menschengeschlechts gebührt, und mitten durch den Widerstreit abstracter Theorien und menschlicher Meinungen die Geschichte reden lassen. Indem Sie vor den Augen unserer Jugend in farbenreichen Gemälden die Bilder aus der jüdischen Vergangenheit entrollten, haben Sie kommende Geschlechter an die Schuld gemahnt, die das Vermächtniss hoher Ahnen ihnen auferlegt, sie gelehrt, über der kleinlichen und gemeinen Ansicht der Dinge und der Menschen die Welt unter dem Gesichtspunkte des Ewigen zu betrachten. Indem Sie ein solches Werk schufen, haben Sie endlich mit der Person des Meisters ein vorbildliches Zeugniss abgelegt für die Cardinaltugenden, durch welche das Judenthum wunderbar in der Geschichte sich erhalten hat: Gottesfurcht, Arbeit und Enthaltsamkeit! Und heute ist es der Segen dieser Arbeit, der sich an Ihnen selbst bewährt und Sie die Last der Jahre leichter tragen lässt. Im Besitze dessen, was dem Gemüthe eines edlen Menschen am theuersten ist, in der Mitte einer zahlreichen Familie, im Kreise treuer und bedeutender Freunde werden Sie es heute mit uns als das seltenste Glück preisen, dass Sie in reiner Begeisterung für eine ideale Sache arbeiten, durften, und dass Sie der Idee, der Sie lebten, der Culturmission Ihres Volkes, einen klassischen Ausdruck geben konnten in Ihren Werken.