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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1888-01-01 · 1888 · page 4

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1888
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720995--03-2724031
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:SfQ Schaffens erdichtet sein. Die in Spanien naclr arabischen Mastern erblühte hebräische Dichtkunstwetteiferte in der Nachahmung klassischer Vorbilder auch, ohne die entsprechenden Beziehungen 1m eigenen Leben. Wie mannigfaltig die Form, wie elegant und frisch die Sprache, wie anziehend die Darstellung hierbei dennoch bKeb, zeigen die hier mitgetheilten Proben. Von den daran sich anschliessenden ״Fest- und Lobliedern“ (S. 117 ff.) gilt gleichfalls das so eben Gesagte. Verschieden im Bau und Ton, haben doch alle, bis auf die der Prosa zum Theil sich annähernden Beime (S. ISO—142), eine meistens rein biblische und mehr oder weniger gehobene Sprache. Das hier aus einer Berliner Handschrift zum ersten Male veröffentlichte Hochzeitslied (S. 117 Nr 73) ist ungeachtet der nahezu liturgischen Schlussstrophe ein Beispiel weitgehender Freiheit, wie sie nur in dieser Gattung statthaft erschien. Unter den gefeierten Namen treten besonders hervor: Salomo Ihn Almaallem, Arzt und Wesir (S, 119 ff), Joseph Ihn Amrän (S. 121 ff; S. 123 f), B. Menachem und sein Sohn Moseh, wahrscheinlich in Born (S. 124 ff), B. Samuel Ihn Gärni, Dichter und Babhiner (S. 127 f. 128 ff, 130 ff.) und der weithin berühmte Talmudist Nordfrankreichs B. Jakob Tarn aus Bamerü, der den zuerst widerstrebenden IE durch seine Bescheidenheit zu rückhaltloser Anerkennung, ja zur Bewunderung hinreisst (S. 144) und dem das originelle Baumgedicht (S. 144 ff.) gewidmet ist — eine für den eigenthümlichen Geschmack jener Zeit bezeichnende Einmischung einer Art von bildender Kunst in die Poesie. War doch die Poesie damals so beliebt und, man möchte sagen, verwöhntes Schoosskind aller gelehrten und gebildeten Kreise, dass man ihr jede Laune und Absonderlichkeit zu gute hielt, wenn sich darin nur Talent und Erfindungsgabe überraschend bekundeten. In allen jenen lyrischen Producten spricht uns ein feiner Ton höherer Bildung und edler Sitte wohlthuend an. Nur in einem Punkte fühlt sich unser Geschmack in stärkerem Zwiespalte mit dem Gegebenen: in dem Maasse der Bewunderung und des Lobes, das den gefeierten Personen gespendet wird. Es ist eben Spanien und zwar das vom Orient und dessen Ueberschwenglichkeiten beeinflusste, aus dem diese Poesie herstammt. Gebildeten Lesern freilich, die den Geist und die Schönheit einer fremdsprachlichen Literatur richtig zu erfassen auch sonst schon gelernt haben, kann es bei gutem Willen nicht allzu schwer werden, sich auch in die poetische Gestaltung einer allerdings ausserordentlich entlegenen Cultur zu finden, das im Wesentlichen überall gleiche rein Menschliche in zuweilen befremdlicher Hülle herauszufühlen und, was schön, tief und edel oder geistvoll, witzig und überraschend in ungewohnter Form und Häufung ausgesprochen worden ist, richtig zu erkennen, zu würdigen und zu geniessen. Nicht Ihn Esra allein, sondern dem ganzen Dichterkreise, zu dem er gehörte, kommen gewisse Eigenschaften mehr oder weniger zu, die unserem Geschmacke nicht ohne Weiteres Zusagen. So ahmt er das weiigehende Spiel in Worten und Wendungen berühmten Vorgängern nach. Aber allerdings führt seine überströmende Begabung Manches weiter und fügt Anderes hinzu, wie z. B. das Spiel mit bedeutsamen Zahlen und Buchstabenwerthen, die ihm als Meister der Bechenkunst und Zahlensymbolik viel natürlicher, als uns, erschienen. Zuweilen wird sein Witz ihm zum Versucher und kann er nicht auf hören, bis das begonnene Gedankenspiel seine ganze Fülle, seinen ganzen Glanz entfaltet und möglichst erschöpfend dargethan hat (wie z. B. S. 134 Z. 99 — S. 137 Z. 177; das. Z. 178 — S. 139 Z. 221). So artet die Darstellung zuweilen in Witzelei und spielende Manier aus, die indessen wohl auch mit Humor absichtlich übertrieben wird, um . nicht nur die Leser, sondern auch die betheiligten Personen selbst zu ergötzen, welche den Scherz verstanden und in dem -gespendeten

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