Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Die gesammelten und bearbeiteten Reime und Gedichte des Abraham Ibn Esra, von denen Heft I und II in früheren Jahren (Breslau, Koebner 1885 und 1887, aus den entsprechenden Jahresberichten des jüdisch theologischen Seminars) erschienen sind, werden durch dieses dritte Heft so weit gefördert, dass deren erster Theil, bestehend in einer vollständigen Zusammenstellung der gegenwärtig bekannten aussergottesdienstlichen Poesie jenes Schriftstellers, in einem später erscheinenden vierten Hefte voraussichtlich wird zu Ende geführt werden können. Auf die Reime und Verse im Anfänge und am Schlüsse literarischer Arbeiten folgte im zweiten Hefte die lyrische Poesie, soweit dieselbe Ausdruck!der Klage in ernster oder scherzhafter Art und Form ist. Das gegenwärtige Heft giebt nun den ganzen Rest der mir bekannten und zugänglichen lyrischen Poesie Ibn Esra’s, mit Ausnahme eines zur Uebersetzung ungeeigneten Stückes (Diwan S. 5 N1*. 18), und von der didaktischen Poesie einen Theil der Lehrgedichte; dem Rest dieser Poesie soll eben das vierte Heft enthalten. Die unter der Ueberschrift ״Lyrische Poesie“ von S. 84 des zweiten bis S. 150 des gegenwärtigen Heftes mitgetheilten Reime und Gedichte erschöpfen jedoch nicht die uns erhaltenen lyrischen Erzeugnisse des Abraham Ihn Esra. Bei weitem der grösste Theil seiner gottesdienstlichen Poesie ist lyrischer Natur, während Geschichtliches und Didaktisches, wie im biblischen Psalmenbuche, eine untergeordnete Stellung und geringen Umfang darin einnehmen. Ferner aber sind die Reime und Gedichte unserer ersten Abtheilung (S. 16—84) zwar theil weise didaktischen Inhalts (wie N1*. 4. 6. 15. 30. 34. 35. 38. 39. 52), enthalten daneben jedoch vorwiegend lyrische Ergüsse des Gefühles, Gott und Menschen gegenüber (wie z. B. Nr. 1—3. 5. 7-10. 13. 14. 20. 22. 25. 26. 31. 33. 40. 42. 44-48. 53. 54). Da nun die hier unternommene Sammlung in ihrem zweiten Theile eine Auswahl gottesdienstlicher Poesien noch zu geben hat, so wäre es verfrüht, hier schon die lyrische Dichtungsweise Ibn Esra’s eingehend darzulegen. Indessen können bereits an dieser Stelle einige vermittelnde Bemerkungen zu den in diesem Hefte vereinigten lyrischen Schöpfungen unbedenklich ausgesprochen werden. Die ersten zwei Gedichte ״aus Natur- und Menschenleben“ (S. 101—107) bekünden in ihrer lebendigen, dialogischen Form, in ihrem schönen Vers- und Strophenbau, in ihrer edlen und klangreichen Sprache den geist- und talentvollen Dichter und Meister des Worts. Das darauf folgende Freundschaftslied (S. 107 Nr. 65) hat erhöhten Reiz durch die Beziehung auf den grössten Dichter der damaligen Zeit, Juda halevi, dem IE, vermuthlich eine geraume Zeit nach dessen Ableben, mit wehmüthigem Humor Lebewohl und Absage in das Jenseits nachruft. — In den dann folgenden Liebesgedichten (S. 108 ff.) begegnen uns zwei wirkliche Namen: Isaak (S. 112 Nr. 69) und Barnch Ibn G'aw (S. 113 Nr. 70), sowie nin wahrscheinlich, erdichteter Name Jedajah (S. 115 Nr. 71); sonst sind es ungenannte Lieblinge oder Liebespaare, denen die Verse gelten, ja