Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
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46 logen, der eine dunkele Stelle durch Zurückgehen auf den Sprachgebrauch und verwandte Aeusserungen der Schriftsteller aufzuhellen sich bemüht. — Fragt man aber, warum Aristoteles statt des zweideutigen oupavög nicht lieber ein anderes weniger missverständliches Wort gebraucht habe, so ist die Antwort, dass es einen jedes Missverständniss ausschliessenden Ausdruck für 'Welt5 im Griechischen überhaupt nicht giebt. Denn xd xav ist ebenso vieldeutig und noch leichter misszuverstehen als 0upav0£. Man denke an die zahlreichen Auslegungen von xo xav, das Aristoteles Metaph. A 1. 1069 a 19 geschrieben hat (vgl. Freudenthal Fragmente Alexanders in Abh. d. Berl. Akad. 1885 p. 43). — Ebenso hat das zuerst in der Pythagoreischen Schule zur Bezeichnung des Begriffes 'Welt’ üblich gewordene xoapog ausser der nie aufgegebenen ursprünglichen Bedeutung (= Schmuck, Ordnung) immer auch Theile der Welt statt des Universums bezeichnet (vgl. D. L. VII 137 f.; Suid. s. v.; Stob. Anthol. I p. 196, 27 Wachsm.). Mit Recht sagt Proklos (in Tim. p. 83 D) xa dvdpaxa xaöxa לtoXX7)v soy^e xapa xotg xaXaioTg aj1<pcßoX£av xxX. Vgl. auch Zeller I 4 409 Anm. 1 und 3, und Bonitz Ind. Aristot. s. v. 30. (Zu S. 22). Ausser einigen älteren Gelehrten sind hier Karsten Xenoph. rel. p. 136; Ueberweg Philol. VIII 110; Grote History of Greece IV 522 und Kern Unters. S. 8 zu nennen. — Beruft man sich für diese Deutung auf die ps.-plutarchischen Stromateis, das heisst auf Theophrast (bei Eus. Pi*, ev. I 8, 5; Diels Doxogr. 580, 7), so ist das durchaus ungerechtfertigt. Wir lesen daselbst zwar die Worte Eevocpav^g . . . ouxe yevsatv ouxe cp&opocv axoXeixet. Hierzu ist aber, wie der Zusammenhang lehrt, x׳§ apx0׳ oder xtp xavxi zu ergänzen. Das Weltall, in seiner Totalität erfasst, ist unentstanden und unvergänglich, nicht aber die einzelnen Theile der Welt. 31. (Zu S. 24). Georg Grote (bei Lewes History of philosophy I 5 80) erklärt vom voug des Anaxagoras: It is one substance or form of matter among the rest, but thinner than all of them (thinner even than fire or air). Auch Kern (Ueber Xenophanes S. 24 Anm. 69) und Andere urtheilen, dass Anaxagoras Geist und Stoff, Materielles und Unmaterielles Doch nicht scharf geschieden, dass er den Geist als eine Materie unter anderen Materien, nur als einen sehr feinen Stoff gefasst habe. Dem muss aber aufs entschiedenste widersprochen werden. Auf dem von Anaxagoras zuerst erkannten Gegensätze von Geist und Stoff beruht die Lehre von dem Fürsichsein und der Ungemischtheit des menschlichen (fr. 8) und von der weltbildenden Thätigkeit des göttlichen Geistes. Man kann die Differenz zwischen Geist und Stoff nicht schärfer fassen, als es von Anaxagoras im Anfänge des fr. 8 geschieht. Er nennt den Geist freilich Xexxöxaxov xe xod xa&apcoxaxov und lässt Theile von ihm in den Dingen sein. Darum aber den Geist des Anaxagoras als eine Art von Materie fassen, heisst die Schwierigkeiten verkennen, die der scharfen Begriffsbestimmung in jener Zeit, und die dem Problem der Immanenz des Geistes noch heute ent־ gegenstehen. Anaxagoras ringt sichtlich mit dem neuen grossen Gedanken, für den er die genau entsprechenden Worte nicht immer finden kann; er be-