Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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44 diese besteht in der Annahme, für Xenophanes habe eine Natur gar nicht existirt; er sei Akosmist wie Spinoza gewesen. Haben wir nun aber Kerns und Zellers Erklärungen zugleich zurückgewiesen, so können wir doch auch an den Berichten des Aristoteles und Simplicius nicht mit einem non liquet vorübergehen, wie Susemihl (a. a. 0.) und Diels (Doxogr. p. 112) es thun. Zur Aufhellung des Dunkels ist vor Allem eine Verständigung über das 06 SisaacpTjviaev bei Aristoteles, über welches die verschiedensten Ansichten ausgesprochen worden sind, nothwendig. Wie konnte Aristoteles, so muss man fragen, behaupten, Xenophanes habe sich nicht darüber ausgesprochen, ob sein §v als stoffliche oder begriffliche Einheit zu fassen sei? Sagt dennXenophanes nicht klar und bündig von seiner Gottheit vooo cppevfc rcavxa *cpaxtivet? Aber freilich, derselbe Xenophanes giebt seinem §v andere Bestimmungen, welche es einem stofflichen Principe gleichsetzen (oben S. 24), Bestimmungen, die Theophrast und Alexander veranlassten, es als acpatpostS^ anzusehen. Nicht also, dass Xenophanes sich über die Frage nach dem Wesen des Principes ganz und gar nicht ausgesprochen habe, will Aristoteles mit dem 068ev Sieaacpyjvtaev sagen, sondern dass er sich widerspruchsvoll darüber geäussert und damit gezeigt habe, dass er das Wesen des stofflich oder begrifflich Einen gar nicht erfasst habe. Das bedeuten die Worte 068s x׳yjg cpeaetog xooxcüv ouöexepag iowte akyetv. Vgl. über das friYYavetv in diesem Sinne u. A. Metaph. 6 10. 1051 b 24 xo frtYeTv %oci tpdvou aX7)frdg, . . xö 5e (*yvoeTv pVj lkYY°wetv und A 7. 988 b 18 {Hysiv atxCag. In demselben Sinne hat Aristoteles von Xenophanes’ Unklarheit über Begrenztheit und Unbegrenztheit seines Princips gesprochen. Xenophanes fasste das Universum als räumlich begrenzt, einer Kugel gleich, und doch sollen die Grenzen der Erde, also auch die des Himmels, ins Unendliche reichen. — Dem Urtheile des Aristoteles hat Theophrast, der hier fast wörtlich dem Aristoteles folgt, sich angeschlossen und noch einen anderen Punkt berührt, der die gleiche Unklarheit der Begriffe bei Xenophanes ihm verrieth. Die Gottheit soll nach fr. 4 unbewegt sein; aber wie vereinigt man mit diesem Ausspruche die von Xenophanes nie geleugnete Bewegung und Veränderung der Einzelwesen? Die Gottheit ist immanente Ursache von Allem (s. oben S. 27). Ist nun Bewegung wie Veränderung der Gottheit nicht eigen, woher dann die Bewegung der Dinge? Ist dagegen Bewegung auch der Gottheit beizulegen, so durfte Xenophanes von ihr nicht *sagen atel 8’sv xa6x<p xe p£vs1. Darum erweiterte Theophrast des Aristoteles Urtheil über Xenophanes’ unklare Auffassung der Begriffe von Geistigkeit und Begrenzung, und übertrug es auch auf den der Bewegung. Die Erklärung des Theophrast aber, die Simplicius, wie erwähnt, nicht im Originale, sondern in Alexanders Commentar gelesen hatte, hat derselbe nicht in ursprünglicher Fassung mitgetbeilt, sondern wie von Diels aus anderen Gründen erwiesen ist, vielfach modificirt, zum Theil wohl, weil er sie im Sinne der pseudo ־ aristotelischen Schrift De Melisso auffasste. Während Aristoteles und Theophrast nur hervorhoben, Xenophanes habe über die näheren Bestimmungen des Urprincipes sich nicht klar,, sondern Widerspruchs-