Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1886-01-01 · 1886 · page 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1886
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2720904-2720999--43-2723942
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

42 Angaben und einen ausreichenden Beweis für die Authentie der ps.-arislotelischen Schrift wird man darum doch nicht in ihm finden. Denn erstlich hat Simplicius sein Excerpt nicht in wörtlicher Treue angeführt, wie Diels (Doxogr. p. 109 f.) nachgewiesen hat. Man dürfte daher wohl vermuthen, dass Simplicius die entscheidenden Worte oute usuepaapsvov oute axsipov, oute xtvöupsvov oute ^pspouv der von ihm benutzten Schrift De Melisso entlehnt und Theophrast in den Mund gelegt habe. Zweitens kann man mit Zeller (I 4 472 Anm. 3) das oute—oute so erklären, dass diese Worte dasselbebesagen, was Aristoteles berichtet. Zeller bezieht die Negation nicht auf die Prädicatsnomina xercspaapivov—arcetpov, sondern auf das Verbum UTC0T$־safra1 und gewinnt dadurch den Gedanken: Xenophanes hat das Princip weder als begrenzt noch als unbegrenzt gesetzt, das heisst, er hat sich überhaupt nicht klar hierüber ausgesprochen. Damit würde der Widerspruch zwischen Aristoteles und Theophrast vollständig verschwinden; Ps.-Aristoteles aber stände nunmehr in schroffem Gegensätze zu beiden. Er hat, wie Susemihl (a a. O.) ausführt, Theophrasts Aeusserung unrichtig dahin aufgefasst, Xenophanes habe die genannten Prädikate der Gottheit geradezu abgesprochen und damit erst die geschichtliche Wahrheit völlig verkehrt. — Kern seinerseits weist diese Erklärung aus grammatischen Gründen zurück. 'Den aus einem derartigen Zusammenhang herausgerissenen Satzs, so sagt er Unters. S. 2, *können wir nach den allgemein geltenden Regeln über die Stellung der Negation doch nur so auffassen, dass von dem Philosophen ausgesagt wird, dass er das Seiende zu Grunde legt, und dass durch das negierte Prädicatsnomen die negative Eigenschaff hinzugefügt wird, die er dem Seienden beigelegt wissen will. Der Satz also, für sich betrachtet, lässt nur die eine von Zeller in der vierten Auflage nicht mehr aus formellen, sondern nur noch aus sachlichen Gründen bestrittene Mögüchkeit der Interpretation offen’, der zufolge die angeführten Worte bedeuten, Xenophanes habe sein Princip als weder begrenzt noch unbegrenzt gesetzt. — Doch diese Argumentation ist nicht stichhaltig. Theophrast, oder richtiger Simplicius, durfte eine Negation nicht zum Verbum u7c0T$־so&a1 fügen; denn er hatte ja ausser dem negativen das affirmative Urtheil abzugeben ptav t^v apx׳qv yJtoc §v t6 ov xac 7cav. Die grammatische Regel aber über die Stellung der Negation, auf die Kern sich beruft, ist keineswegs von allgemeiner Giltigkeit. Die von ihm angeführten Beispiele beweisen nur, was Niemand leugnen wird, dass der Sinn, den er dem fraglichen Satze giebt, grammatisch zulässig ist. Eine einzige negative Instanz aber genügt, um auch Zellers Interpretation als statthaft zu erweisen und die vermeintliche Regel zu beseitigen. An solchen Gegenbeweisen aber fehlt es nicht. Man vergleiche Xen. Cyr. VIR 7, 20: ocuty] Ss pöv7) oute xapouaa oute amoooa opocTai, oder Diphilos (bei Meineke Com. Gr. IV 422) "Og 5’out spu&ptav olöev oute 8s81£vat, Ta TcpwTa xtX. — Kern wendet gegen Zellers Deutung ausserdem ein, dass sie Theophrast in Widerspruch mit den Fragmenten des Xenophanes bringe. Theophrast, meint Kern, könne nicht erklärt haben, dass Xenophanes über Bewegung und Unbeweglichkeit der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.