Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
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41 suchung über die Quellen für die Philosophie des Xenophanes’ erhoben hat, so wenig zutreffend, dass eine Wiederaufnahme der Streitfrage als unnütz er־ scheint. Nur Einen schwachen Punkt weist Zellers Argumentation auf, und Kern hat nicht verfehlt, des öfteren und mit besonderem Nachdrucke auf ihn hinzu־ weisen (s. die Untersuch. S. 1 angeführten Belegstellen). Theophrast (bei Simpl, in Arist. phys. p. 22, 26) stimmt in auffälliger Abweichung von Aristoteles mit dem Inhalte der Schrift De Melisso überein. Allerdings werden wir mit Zeller nicht die ganze Ausführung bei Simplicius für ein Excerpt aus Theophrast ansehen dürfen, sondern nur die Worte piav 8e ׳njv apxVjv — 6 Sevo<pavY]s (22, 26—31). Aber gerade diese Worte, denen zufolge Xenophanes die Welt 'als weder begrenzt noch unbegrenzt, als weder bewegt noch unbewegt5 angesehen hat, die somit eine bestrittene Angabe der ps.־aristotelischen Schrift bestätigen, werfen ein schweres Gewicht zu Gunsten derselben in die Wagschale und scheinen den in Aristoteles* widersprechenden Angaben (Metaph. A 5. 986 b 21 f.) von Zeller erblickten Beweis gegen ihre Authentie vollständig zu entkräften. Um so gewichtiger ist Kern zufolge (Unters. S. 4) dieses Zeugniss, je höher die Glaubwürdigkeit Theophrasts in Vergleich zu der des Aristoteles steht. — Man wird diesem Urtheile im allgemeinen zustimmen, aber Theophrast doch auch nicht überschätzen dürfen. Wenn auch Aristoteles’ Angaben über seine Vorgänger sich oft als parteiisch, bisweilen als durchaus irrig erweisen; wenn auch das hohe Ansehen Theophrasts durch Diels* bahnbrechen־ des Werk über die Doxographen noch bedeutend erhöht worden ist, so wäre es doch ein verhängnisvoller Irrthum, wollte man Allem Glauben schenken, was Theophrast uns berichtet hat. Man prüfe beispielsweise einmal die auf seine cpoacxat Sdgai zurückgehenden Angaben der Excerptoren über Thaies und Pythagoras, und man wird als baaren Götzendienst ein Verfahren erkennen, das jeder Kritik sich für überhoben hält, wenn Theophrasts Schriften als Quelle einer Nachricht erkannt sind. Zu welcher Verkehrung der Geschichte das führt, zeigt Sartorius’ fleissige und in vielen Punkten einsichtige Arbeit Ueber die Entwickelung der Astronomie bei den Griechen (Halle 1883), die durchaus in die Irre geht, weil in ihr nahezu Alles, was Theophrast und die peripatetisch und stoisch gefärbten Auszüge der öögat über die vorsokratischen Philosophen berichten, als authentisch angesehen wird. Sorgsame Kritik der einzelnen uns überlieferten Angaben ist auch Theophrast gegenüber nicht entbehrlich, und doppelte Vorsicht ist geboten bei der Beurtheilung der wahrscheinlich aus Theophrasts 8ö§at geschöpften, aber durch zahlreiche trübe Canäle geflossenen und durch allerlei Beimischungen verunreinigten Nachrichten, die Diels’ Meisterwerk geordnet und gesäubert, aber weder als überall glaubwürdig hat erweisen wollen, noch in Bezug auf ihre Provenienz genau zu bestimmen vermocht hat. Unter diesen Umständen ist es keineswegs erforderlich, eine von Simplicius nicht unmittelbar aus Theophrast geschöpfte Angabe einer in der Metaphysik vorliegenden bestimmten Erklärung des Aristoteles vorzuziehen. — Doch es sei. Schenken wir dem Berichte Theophrasts hier volles Vertrauen; eine Widerlegung der Aristotelischen