Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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32 nicht aus den Fragmenten des Xenophanes, sondern nur aus vereinzelten Auszügen späterer Philosophen seine Nachrichten schöpfte, hat zuerst in offenbarem Missverständniss der ihm vorliegenden Angaben die Fabel von dem reinen Monotheismus des Xenophanes aufgebracht. Niemand zweifelte an der Richtigkeit dieser, wie anderer Erdichtungen des unzuverlässigen Mannes, weil der grosse Name des Aristoteles ihn deckte. So empfingen und verbreiteten die Geschichtschreiber, Commentatoren und Epitomatoren des späteren Alterthums die Nachricht von Xenophanes" monotheistischer Lehre, wie man durch dieselbe Schrift sich verleiten liess, Xenophanes zum Begründer der Eristik zu machen40. Auch in neuerer Zeit ward das Buch De Melisso als reinste Quelle der Belehrung von allen denen festgehalten, welche an seine Authentie glaubten und selbst von den wenig zahlreichen Gelehrten nicht ganz verworfen, die zwar über seinen Ursprung und Charakter sich nicht täuschten, in ihm aber die einzige Quelle jener irrigen Auffassung des Xenophaneischen Systems nicht erkannt hatten. Ein sorgfältiges Verhör der übrigen Zeugen und die Vergleichung ihrer Aussagen mit dem Inhalte der Fragmente hat die völlige Isolirtheit der pseudo-aristotelischen Schrift erwiesen und damit die Möglichkeit dargeboten, die Grundlehre des ehrwürdigen kolophonischen Denkers von einem alteingewurzelten Missverständnisse zu befreien.