Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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30 ringerer Klarheit dargelegt und durchgeführt, sehr zahlreichen Systemen griechischer Philosophen und oft ausgesprochenen Anschauungen griechischer Dichter zu Grunde liegt. Bis hierher darf man hoffen, die Lehre des Xenophanes in ihrer Reinheit und ohne trübende Beimischung fremder Gedanken erkannt und dargestellt zu haben. Will man nun aber näher angeben, welcher Art die Wesen gewesen sind, die er als Götter neben die Eine Urgottheit stellte, so muss man mit blossen Muthmassungen sich begnügen. Wer die Aufgabe der Geschichtschreibung darin erblickt, auch da, wo die Ueberlieferung uns im Stiche lässt, durch Hypothesen und Combinationen eine lückenlose Kette von mehr oder weniger wahrscheinlichen Daten herzustellen, der wird ohne grosse Mühe die jetzt fehlenden Glieder des Xenophaneischen Systems zu ergänzen vermögen. Er kann daraufhinweisen, dass Xenophanes die'Mutter Erde’, die 'grösste der olympischen Gottheiten1, wie die Dichter sangen, ins Grenzenlose sich erstrecken (fr. 12), dass er aus ihr Alles entstehen und in sie Alles zurückgehen liess (fr. 8—10), dass er sie daher wohl als eine trotz aller Wandlungen ewige und göttliehe Wesenheit ansehen durfte. Man kann vielleicht auch die ylveotg tocvwov (II. XIV 246), das Wasser, das Xenophanes neben die Erde als Urelement gestellt hat (fr. 9. 10), oder den Himmel, den ewigen, unveränderlichen (Pind. Nem. VI 4), als die Götter des Xenophanes erkennen. Endlich ist es auch wohl denkbar, dass Xenophanes, wie sein Nachahmer Empedokles, geistige Mächte, etwa den in alten Theogonien als Urgottheit gefeierten 'Epws, als Wesen göttlicher Art anerkannt habe. Das Alles lässt sich vertheidigen, wie sich noch andere Hypothesen auffinden lassen. Doch soll auf keine dieser Muthmassungen irgend welches Gewicht gelegt werden. Hat doch Xenophanes selbst Alles, was er über die einzelnen Götter und ihr Verhältniss zur höchsten Gottheit aussprach, als Sache blossen Meinens hingestellt (fr. 14), und uns ziemt nicht, da eine feste Entscheidung zu geben, wo Xenophanes jemals volle Gewissheit zu erreichen verzweifelte. Wie die früher (oben S. 9) angeführten Verse ihre Erklärung nur durch die Annahme finden, dass Xenophanes keineswegs einen strengen Monotheismus gelehrt habe, so verschwinden nun auch