Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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28 Erst jetzt dürfen wir die Frage stellen: sehliesst die, wenn man das viel missbrauchte Wort nicht scheut, pantheistische Lehre von der göttlichen Einheit des Universums jeden Polytheismus aus? Muss Xenophanes die Vielheit der Götter leugnen, weil er die Vielheit der Dinge in einer göttlichen Ureinheit wurzeln liess? Kein Wort in den Fragmenten, keine Andeutung zuverlässiger Berichterstatter spricht für diese Annahme. Die Fragmente seiner Schriften und die Ueberlieferungen der Alten sind vielmehr, wie wir gesehen haben, nur verständlich, wenn wir die eben gestellte Frage verneinen. — Und unschwer lässt sich im Systeme des Xenophanes der Punkt aufweisen, wo die Göttervielheit ihre Stelle findet. Die höchste Gottheit, als die dem Weltall einwohnende einheitlich wirkende Kraft, geht der Welt nach Xenophaneischer Lehre nicht zeitlich vorauf; denn die Welt der Dinge ist ewig, wie die Gottheit selbst. Darum wird bald der Gottheit des Xenophanes, bald der Welt von den späteren Berichterstattern Ewigkeit zuerkannt87. Wie die ewige Kette einzelner vergänglicher Wesen, so können in der ewigen Welt auch unvergängliche Wesenheiten einem Systeme zufolge angenommen werden, das die Vielheit der Einzeldinge nicht, wie das Parmenideische, in einer Unterschieds- und bestimmungslosen Einheit untergehen lässt. Diese unentstandenen und nie vergehenden Einzelwesen sind die Götter des Xenophanes. Durchwaltet die Eine höchste Gotteskraft das Universum, so beherrschen diese Götter kleinere Kreise der Welt, sie selbst ewige Theile der Einen Alles umfassenden Gottheits8. Sind die endlichen vergänglichen Wirkungen der Einen Gotteskraft ungöttlicher Art — denn was göttlich ist, erklärt Xenophanes, kann nicht entstehen und nicht vergehen —, so erscheinen die ewigen unentstandenen und unvergänglichen Wirkungen als Wesenheiten, die er •9־eot wohl nennen durfte. Nun mag es uns, deren geistige Lebensluft der Monotheismus bildet, freilich scheinen, als ob die philosophisch begründete Ueberzeugung von der Existenz Eines höchsten Gottes mit dem Glauben an das Vorhandensein einer Vielheit von Göttern schlechthin unvereinbar sei. Aber nicht um das, was wir denken und nicht denken können, handelt es sich bei der Reconstruction der Geschichte, sondern um das, was die Alten wirklich gedacht haben. Dass aber den Griechen dieser Widerspruch gar nicht zu klarem Bewusstsein gekommen