Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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ein solches hat verschiedene Theile, die nur zu einheitlicher Form von der Natur vereinigt sind. Xenophanes" Welteins aber ist ein nach allen Seiten Gleiches (tcocvxy] üaov), wie Timon uns sagt. — Nichts oder Widersinniges würden wir ferner Xenophanes sagen lassen, wenn wir das ev des Universums für eine Einheit des Individuums, der Zahl oder des Punktes erklärten. Mit allen diesen Erwägungen haben wir die grosse Zahl der möglichen Bedeutungen des ev tö ־rcav erheblich verringert, aber den Sinn der Formel positiv nicht zu bestimmen vermocht. Vielleicht kommen wir ihm näher, wenn wir erwägen, auf welche Systeme Aristoteles selbst sie bezogen hat. An drei Stellen hat Aristoteles über den Sinn derselben, insoweit sie auf die Vorsokratiker An- Wendung findet, sich ausgesprochen, in der Physik (I 2—4), in der Metaphysik A 3 —5 und in De gener. et corr. I 8. Er führt aus, dass man zuerst eine Einheit des Weltganzen gelehrt habe, indem man ein einziges materielles Element für den Grundstoff aller Dinge ausgab ev m V] uX7] jua oder ev x(j) el״ ou (Phys. I 3. 186 a 19; Metaph. A 9. 1018 a 6) oder genauer iv Xeyexat x(p tö uTOxei'jievov xcj> eiSet efvat a81a<popov (Metaph. ib. 1016 a 17). Aber in diesem Sinne haben nur ionische Philosophen die Einheit des Weltganzen gelehrt. Keiner der Eleaten kennt einen Urstoff als einziges Princip der Dinge; am wenigsten kann Xenophanes" £v, das die Gottheit selbst ist, dem axoi^ecov des Thaies, Anaximander oder Anaximenes gleichgeachtet werden. Als absolute Einheit fassen Parmenides und seine Anhänger das ev. Jeder begriffliche Unterschied soll von der Welteinheit ferngehalten, jede Bewegung und Veränderung der Einzelwesen als blosser Sinnestrug angesehen werden. Auch Xenophanes" Lehre ist nach Anleitung der pseudo-aristotelischen Schrift De Melisso, des Simplicius (in Arist. phys. p. 29, 12) und Hippolytos (Philos. 14, 2) auch von neueren Gelehrten bisweilen so aufgefasst worden 30. Das aber sehr mit Unrecht. Denn die Fragmente lehren, dass Xenophanes das Weltall niemals für eine unterschiedslose Einheit erklärt, dass er die Vielheit, Verschiedenheit und Veränderlichkeit der Dinge nicht geleugnet hat. Daher spricht denn auch Aristoteles da, wo er von dieser absoluten Einheit des Weltganzen redet (Phys. I 3 f. Metaph. A 5. 986 b 18. A 4. 1001 a 27 f.), nur von Parmenides und Melissos, nicht von Xenophanes.