Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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18 weis für den Monotheismus des Xenophanes berufen hat. Nichts kann ja auch bestimmter, nichts deutlicher sein als dieses Zeugniss. Dürften wir ihm vertrauen, so müssten wir annehmen, dass Xenophanes den Monotheismus mit zureichenden Gründen erwiesen und den Polytheismus aufs schlagendste widerlegt habe. Wir müssten die monotheistische Lehre trotz aller exegetischen Bedenken auch in den Fragmenten der Xenophaneischen Schriften anerkennen und die entgegenstehenden Aussagen derselben wohl oder übel hinwegzudeuten suchen. Hierzu wären wir gezwungen, wenn Eines feststände, die Authentie dieses Buches oder die Glaubwürdigkeit seines Inhalts. Diese aber kann heute von Niemandem mehr aufrecht erhalten werden. Nach Allem vielmehr, was in neuerer Zeit von verschiedenen Gelehrten, insbesondere aber von Vermehren, Zeller und Diels 23, über diese Schrift erörtert worden ist, steht fest, dass sie weder von Aristoteles noch von Theophrast abgefasst ist, dass der zweite Abschnitt zwar wahrscheinlich über Xenophanes handelt, aber weder in Bezug auf die angeführten Lehrsätze noch auf die Begründung derselben als ein zuverlässiges Document seiner Lehre gelten kann. Was daher über den Monotheismus des Xenophanes hier gelehrt wird, hat ebenso wenig Beweiskraft, wie die Angabe, dass Xenophanes’ Gottheit jenseits der Bewegung und des Nichtbewegtseins, der Begrenztheit und des Nichtbegrenztseins stehe (Zeller 14 477 f.), ja eine noch viel geringere. Denn nicht wie dort auf den blossen Lehrsatz, sondern auf die im zweiten Abschnitt durchweg unhistorische Beweisführung kommt es hier an. Wir haben ja gehört, dass Xenophanes allerdings von Einem Gotte, nur nicht in streng monotheistischem Sinne gesprochen hatte, und es fragt sich nur, ob auch die von Ps.-Aristoteles gegebene Begründung und weitere Ausführung dieser Lehre als Xenophaneisch gelten dürfe. Wer nun aber die in Zenonischen Dilemmen sich ergehende Beweisfuhrung allen Ernstes für Xenophaneisch erklärt, der muss Aristoteles’ wegwerfendes Urtheil über Xenophanes’c etwas zu bäurisches5 Denken (Metaph. A 5. 986 b 26) nicht gelesen oder nicht beachtet haben, der muss sich entschliessen, den Begründer der eleatischen Philosophie zum Nachahmer des späten Vertreters dieser Schule zu machen24. Was uns sonst von Berichten vorliegt, kann den Glauben an Xenophanes’ Monotheismus nicht wieder aufrichten, nachdem ihm