Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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16 schaftlicher Erbitterung zu zerstören bemüht gewesen wäre und schliesslich erklärt hätte, Niemand könne Genaues über die Götter wissen 21. Wohl aber geht aus den angeführten und zahlreichen anderen Beispielen hervor, dass die Leugnung der volksthümlichen Anschauungen von den Göttern die griechische Philosophie noch nicht zu strengem Monotheismus geführt, dass die klar erkannte Nothwendigkeit, alle Kräfte der Natur auf eine ursprüngliche Einheit zu beziehen, die Annahme einer Göttervielheit nicht ausgeschlossen hat. Weil diese Einheit nicht in einem persönlichen Gotte erkannt, sondern als eine unpersönlich wirkende Kraft, als ein fretov angesehen wurde, dessen unbestimmte Wesenheit nach keiner Seite hin scharf abgegrenzt war, konnte man aus dieser Urgottheit andere Einzelgötter wieder hervorgehen lassen und so eine Vereinigung von Pantheismus und Polytheismus schaffen, die uns oft räthselhaft erscheint, die aber antiker Anschauung vollkommen entspricht. In verschiedenster Weise wurden die unserer Auffassung zufolge einander schroff widersprechenden Lehren mit einander verbunden und auszugleichen versucht. Die einzelnen Götter sind die Theile, wir würden sagen die besonderen Erscheinungsformen, der Einen allumfassenden Gottheit, so lehren die Orphiker. — Unsterbliche Götter existiren nicht, wohl aber materielle, in der Zeit entstehende und mit der Zeit vergehende dämonische Wesen von übermenschlicher Art — das war Demokrits Ansicht von den Göttern. — Es giebt nur Einen unsichtbaren Gott in Wahrheit, aber neben ihm stehen die Gestirngeister, Wesen göttlicher Art, die man die sichtbaren Götter des Universums nennen darf — darauf reduciren Platon und Aristoteles die Religion des Polytheismus. — Die Natur lehrt den Monotheismus, aber das Bestehen des Staates fordert den Glauben an eine Mehrheit von Göttern, der darum nicht beseitigt werden darf — so erklärt Antisthenes. — Weder der Monotheismus noch der Polytheismus kann zureichende Gründe für sich anführen und die dem Gottesbegriffe anhaftenden Widersprüche heben, so behaupten die Skeptiker; aber den allgemein gütigen Meinungen und den An- Ordnungen des Staates wollen auch sie nicht widerstreiten und darum der polytheistischen Volksreligion zustimmen. — Ein höchster