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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1886-01-01 · 1886 · page 17

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1886
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IRI
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15 der Volksgötter in Nichts vergeht (vgl. Zeller II3 786). Aber nicht selten spricht er von Göttern, und das nicht blos in den mythischen Verhüllungen des eigenen Gedankens, welche die wahre Meinung des grossen Denkers nicht verkennen lassen, und nicht blos in den zwischen Scherz und Ernst schwebenden, von sokratischer Ironie umspielten Darstellungen, deren volksthümlicher Ton eine dem Volksglauben entsprechende Redeweise verlangte. Platon schliesst sich den Traditionen des Volksglaubens nicht blos in Worten an. Neben die höchste Eine Gottheit stellt er, wie Aristoteles, die Gottheiten der Gestirne, und um den religiösen Bedürfnissen des Volkes zu genügen, will er in Dichtungen und Mythen den Götterglauben festgehalten sehen, wenn nur nichts Entwürdigendes und Entsittlichendes von den Göttern erzählt werde (s. Zeller II3 791 f.; Krische Forsch. S. 198 f.). Unter solchen Umständen haben die polytheistisch klingenden Redewendungen bei Platon nichts Auffälliges. Wie die älteren Kyniker haben auch die Skeptiker aus praktischen Gründen den Polytheismus nicht aufgeben mögen, den sie theoretisch überwunden hatten. Man glaubt Montaigne oder Hobbes zu vernehmen, wenn man sie erklären hört, dass der Glaube an die Gottheit unbeweisbar sei, dass der Gottesbegriff harte Widerspräche enthalte, dass sie aber den Forderungen und Consequenzen des Lebens sich fügend in Uebereinstimmung mit den Anschauungen und Gesetzen des Vaterlandes die Götter des Volksglaubens rückhaltlos anerkennen. Behaupten sie doch sogar, dass ihr Glaube und ihre Verehrung der Götter auf festerem Boden stehe als die Theologie der Dogmatiker20. In allen diesen Beispielen finden wir kein Analogon für die Verwirrung der Begriffe oder die Nachlässigkeit des Ausdrucks, deren man Xenophanes beschuldigt. Denn wir können keinen griechischen Philosophen namhaft machen, der zu Gunsten eines reinen Monotheismus die Volksreligion aufs heftigste bekämpft, in einem philosophischen Gedichte wie in profanen Liedern gegen die Erdichtungen der Früheren, das thörichte nutzlose Gerede von Göttern und Heroen geeifert und daneben unbefangen von einer Göttervielheit geredet, ja zu rechter Verehrung der Götter aufgefordert hätte, der, um für den Glauben an Einen Gott Raum zu gewinnen, die überlieferten religiösen Anschauungen mit leiden-

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