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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1886-01-01 · 1886 · page 16

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1886
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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14 Ausdrucks Zutrauen, die wir noch in viel späterer Zeit und bei viel schärfer blickenden Denkern finden? — Aber keines der angeführten Beispiele ist vollkommen zutreffend. Parmenides zuvörderst spricht von göttlichen Wesen nur im zweiten Theile seines Lehrgedichtes, dessen Inhalt er als xoa^ov luim a1raxY]Xöv bezeichnet, und im Proömium, dessen allegorische Einkleidung die Unwirklichkeit der eingeführten Göttergestalten ebenso offen zeigt, wie die der Rosse, die den Dichter zu ätherischen Höhen tragen sollen. — Wenn Prodikos und Protagoras ferner der Götter gedenken, so geschieht das in mythischen Erzählungen, deren Wortlaut von den Berichterstattern nicht in authentischer Fassung mitgetheilt worden ist, sondern sicherlich vielfache Umänderungen erfahren hat. Einzelne Worte dieser Erzählungen können uns daher nicht über die Ansichten der Sophisten belehren und am wenigsten über die Bedeutung Xenophaneischer Ausdrücke Auskunft geben. Antisthenes endlich ist allerdings der Ansicht, dass die Natur der Dinge das Dasein nur Eines Gottes uns lehre und dass die Existenz vieler Götter nur durch Uebereinkunft (xaxa vojjigv) festgestellt sei. Dennoch werden zahlreiche Aussprüche von ihm mitgetheilt, in denen der Götter gedacht wird, weil der Götterglaube ihm eine der Grundlagen des Staatslebens zu sein schien, das er nicht angreifen wollte, dem man, wie er einst sagte, nicht zu nahe kommen dürfe, ohne sich zu verbrennen, dem man aber auch nicht zu fern bleiben könne, ohne zu frieren1?. Aehnliche Gompromisse zwischen philosophischer Ketzerei und religiöser Ueberlieferung schlossen andere Philosophen. Für Demokrit existirt nichts als Atome und ihre Zusammen- Setzungen im Raume; für unsterbliche Götter ist in seinem Systeme kein Raum (S. E. Math. IX 19). Aber in seinen ethischen Schriften weist er auf Götter hin, die den Menschen alles Gute gewähren (fr. 13 Mull.), spricht er von Gottesfreunden (fr. 107), von göttlieberen Genüssen (fr. 6)19. Das aber thut er, weil wenn er auch das Dasein unsterblicher Götter bestreitet, die Wirklichkeit göttlicher oder dämonischer Wesen körperlich-vergänglicher Art doch von ihm anerkannt und damit ein Ausgleich zwischen seiner Physik und den religiösen Ueberzeugungen des Volkes angebahnt wird. Da wo Platon dem letzten Gedanken seiner Philosophie Ausdruck giebt, erkennt er nur Einen Gott an, vor dem die Vielheit

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