Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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13 darf sie keineswegs mit Teichmüller (Neue Stud. I S. 86) als eine Reminiscenz an ägyptische Vorstellungen ansehen. Denn dergleichen ist durch nichts erwiesen. Aber wie leicht konnte diese Wendung einem Griechen sich darbieten, dessen Dichter von ähnlichen Phrasen überströmen, der mit Pindar (Nem. VI 1) in der Ueberzeugung lebte avSpcov, Sv ־itecov yevos, [iias S'8 ׳rcveojxsv p,axpös ajiyöxepot. Und zudem ward gerade durch diese Nebeneinanderstellung von Göttern und Menschen der von Heraklit bekämpfte Gedanke einer Welt- Schöpfung aufs nachdrücklichste abgewiesen. So vrenig hat ein Gott — das will Heraklit in seiner Räthselsprache wohl sagen — die Welt ins Dasein gerufen, wie ein Mensch sie hat schaffen können. Ebensowenig haben die Worte des christlichen Kirchenliedes irgend welche Beweiskraft. Denn 'Gott der Götter5 ist keine von dem modernen Dichter neu geprägte Formel, sondern eine Ueber- Setzung des biblischen □אל אלי oder אלהי האלהים, das ursprünglich mit bekannter Umschreibung des Superlativs wohl nichts anderes als 'der höchst Mächtige* bedeutete16, wenn es nicht aus der polytheistischen Urzeit des Semitismus stammt. Wie unzählige andere, so ward auch diese Redewendung aus der Bibelübersetzung in das christliche Lied und die christliche Predigt aufgenommen, ohne dass man des ursprünglichen Sinnes sich erinnerte. Eine Vergleichung der Worte mit Xenophanes’ Redeweise ist daher auch hier nicht zulässig. Doch vielleicht legen wir auf diese Beispiele zu hohen Werth. Vielleicht hat Zeller, fehlgreifend in untergeordneten Punkten, in der Hauptsache doch auch hier mit seinem scharfen Blicke das Rechte gesehen. Es fehlt ja nicht an anderen Belegen für die Thatsache, dass griechische Philosophen der Sprache des Volkes die eigenen philosophischen Gedanken unterlegen, dass Monotheisten und Atheisten Worte gebrauchen, die polytheistisch klingen. Mit den philosophischen Gedanken des Parmenides, Prodikos, Protagoras und Antisthenes17 ist der Glaube an die Vielheit der Götter unverträglich, und doch spricht Parmenides, der die absolute Einheit alles Seins lehrte, von Heliadischen Jungfrauen, von Afra], *Epcos und anderen göttlichen Wesen. Und ebenso erwähnen Prodikos, Protagoras, Antisthenes und die Skeptiker der Götter, ganz wie der Volksglaube sie sich vorstellte. Dürfen wir da nicht Xenophanes eine Ungenauigkeit des